Genossenschaften – Geld anlegen und mitbestimmen: Interview mit Michael Sladek, EWS Schönau

Quelle: ecoreporter

 

Michel Sladek ist einer der Köpfe hinter den „Stromrebellen“ der Elektrizitätswerke (EWS) Schönau eG. / Quelle: Unternehmen

 

Als ob Asterix und Obelix in der deutschen Stromwirtschaft zum Leben erweckt wären: Das ganze Land wird in den achtziger und neunziger Jahren von den Stromriesen mit ihren Atom- und Kohlekraftwerken und Leitungen beherrscht. Das ganze Land? Nein, die Bürger der kleinen Schwarzwald-Stadt Schönau wollen nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 nicht mehr mitmachen. Sie gründen die Netzkauf Elektrizitätswerke (EWS) Schönau eG, kaufen 1997 erst das Stromnetz in ihrem Ort, später bieten sie bundesweit grünen Strom an. Mittlerweile versorgen Sie mehr als 155.000 Privathaushalte, Gewerbebetriebe und Industrie-Unternehmen mit sauberem Strom. Auch grünes Gas hat die EWS im Angebot, und sie betreibt eigene Erneuerbare-Energien-Kraftwerke.

Bundespräsident Joachim Gauck verlieh der EWS-Mitgründerin und Vorstandsfrau Ursula Sladek im Oktober 2013 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ihr Mann, der Arzt Michael Sladek, ist ebenfalls im Vorstand der EWS. Im Interview erläutert er, warum die EWS Geld von Anlegern brauchte und warum dieses Geld eine ganz andere Wirkung hat als das Kapital, das im üblichen Weltkreislauf der Finanzen pulsiert.

Lesen Sie das ganze Interview hier

 

Energiewende soll „von unten“ kommen

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Montag, 24. März 2014, Seite 6

Messe „New Energy Husum“
Branche bleibt weiter optimistisch – Eigenverbrauch als Schlüssel
Von Wolfgang Runge

Husum. Erneuerbare Energien haben in Deutschland schon bessere Zeiten erlebt. Derzeit beabsichtigt die Bundesregierung, mit einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes den Bau von Wind- und Solaranlagen zurückzufahren. Scharfer Gegenwind für die internationale Messe „New Energy Husum“ – in diesem Jahr blieben rund ein Drittel der erwarteten Aussteller weg.
Die 206 Anlagenhersteller, Zulieferer und Ausrüster, die kamen, sind jedoch optimistisch. Sie hoffen, dass erneuerbare Energien sich zunehmend auch ohne staatliche Unterstützung rechnen. „Die Energiewende kommt von unten“, sagt Messe-Chef Peter Becker. Ein trotziges Motto, das auch den Eingang zur Messe ziert.
Professor Volker Quaschning, Experte für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin, beklagt den Einfluss der großen Energiekonzerne. „Hatten wir 2012 noch über sieben Gigawatt Zubau bei der Fotovoltaik, hat sich der im vergangenen Jahr halbiert auf 3,3 Gigawatt.“ Dabei seien 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland verloren gegangen. „Das sind mehr, als im Braunkohlebergbau in Deutschland insgesamt existieren“, betont Quaschning.
Er sieht bei den Energiekonzernen „kein wirkliches Engagement im regenerativen Bereich“. Mit ihrer Strategie hätten sie deren Ausbau verschlafen und „komplett auf die falschen Kraftwerke gesetzt – auf Kohle- und Atomkraftwerke“, sagt Quaschning. „Lediglich 5 Prozent der regenerativen Energieanlagen befinden sich in der Hand der großen Energieversorger.“ Mehr als die Hälfte der erneuerbaren Energien ist demnach im Privatbesitz der Bevölkerung.

Und für die wird der Eigenverbrauch des selbst produzierten Ökostroms immer sinnvoller, sind sich Experten einig. Denn dieser kostet je nach Anlage 8 bis 12 Cent pro Kilowattstunde, sagt Stefan Ebert von der Firma EWS. Speist man seinen Strom ins Netz, hat man bei der heutigen Vergütung im Schnitt einen Gewinn von 1 Cent – „also quasi nur eine Aufwandsentschädigung für das Investitionsrisiko“, rechnet Ebert vor: „Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage errechnet sich heute also nicht nur über den Ertrag, sondern vor allem über den Anteil des selbst verbrauchten Stroms.“ Wenn ein Privathaushalt seinen günstig selbst produzierten Strom auch selbst verbraucht, spart das derzeit rund die Hälfte der Stromkosten.
Zum Ärger Quaschnings wolle die Bundesregierung dies mit absurden Regelungen behindern. So sollten private Ökostromproduzenten eine Abgabe zahlen, wenn sie ihren Wind- oder Solarstrom verbrauchen. Der Eigenverbrauch in Kern- und Kohlekraftwerken bleibe aber weiterhin abgabefrei. Quaschning bleibt aber optimistisch. Denn bei weiter steigenden Energiepreisen werde es finanziell immer interessanter, sich eine Solaranlage aufs Dach oder ein Windrad in den Garten zu stellen.

 

Werden Elektroautos ein Erfolg?

In Norwegen verkauft sich der Elektrosportwagen Tesla seit über einem halben Jahr besser als der VW-Golf. Er ist zurzeit das meist gekaufte Auto in Norwegen. Der Tesla S ist so begehrt, dass Norweger für einen gebrauchten Tesla mehr Geld ausgeben als für Neuwagen.

Die Wartezeit für einen Neuwagen beträgt fünf Monate. „Die Nachfrage ist extrem“, sagt Joar Tenfjord, Tesla-Händler in Bergen. Auch in den USA ist die Nachfrage nach dem schicken E-Auto aus Kalifornien groß. In den ersten zwei Monaten 2014 wurden dort 14.000 verkauft.

Ein solcher Erfolg geht auch an der Börse nicht spurlos vorüber: Die Tesla-Aktie boomt zurzeit wie die von Apple. Analysten gehen davon aus, dass 2025 Tesla zwei Drittel aller E-Autos weltweit produzieren und verkaufen werde. Und wo bleiben die deutschen Autobauer?

Es sei einfach über Elektro-Autos zu reden, aber ganz schwierig, sie zu bauen und auf den Markt zu bringen, erklärten in den letzten Tagen BMW- und VW-Bosse. Trotz aller Lippen- Bekenntnisse zur Elektromobilität sind in Deutschland die Elektroautos mehr Dekor, Reklame und Täuschung als Realität. Da wird viel angekündigt, aber wenig umgesetzt.

Kein Wunder: Die Reichweite des i3 von BMW beträgt 150 Kilometer und das Auto kostet 35.000 Euro. Ein Tesla hat eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern, ist allerdings auch doppelt so teuer. Aber dennoch erfolgreicher, denn er braucht kein Benzin und erneuerbarer Strom ist weit preisgünstiger als Benzin.

Langfristig, wahrscheinlich schon mittelfristig, werden auch deutsche Autobauer ernsthafter als heute E-Autos bauen müssen, wenn sie nicht vom Weltmarkt verschwinden wollen. Auch in Japan, Taiwan, Südkorea und in China ist die Entwicklung von E-Autos fortgeschrittener als hierzulande.

Deutschland und die EU haben sich das Ziel gesetzt, bis 2050 mindestens 80% weniger CO2 zu emittieren als noch 1990. Es wird aber keine Energiewende geben ohne eine Verkehrswende, die diesen Namen verdient.

Im ganzen Jahr 2013 wurden jedoch in Deutschland nur 408  i3-Autos von BMW verkauft. Deutschland ist im Bereich zukünftiger Mobilität noch Entwicklungsland. Die hiesigen Autobauer verschlafen zurzeit die Verkehrswende so ähnlich wie die alten Energieversorger die Energiewende verschlafen haben. Die Entwicklung in Norwegen kann überall kommen.

Übrigens: das erste Elektroauto fuhr in Deutschland Werner von Siemens im Jahr 1896.

Wasserstoff – der Energiespeicher für eine erfolgreiche Energiewende

„Die Energiewende kann nur mit der Integration von Wasserstoff und Brennstoffzelle gelingen; ohne Lösung der Speicherproblematik, für die Wasserstoff die beste Lösung bietet, erschöpft sich die Energiewende in einer bloßen Stromwende,“ so der DWV e.V. in seinem aktuellen Positionspapier.

Nur die stringente Koordination aller Komponenten – der Netze und der Speicher – verbunden mit der Integration von Strom und Gas, Wärme und Mobilität in einem ganzheitlich gedachten Energiesystem werde zum Erfolg führen.

Speicher machen erneuerbare Energien grundlastfähig

Im Jahr 2010 wurden 150 Mio. kWh an erzeugter Windenergie nicht genutzt, was dem Bedarf von ca. 40.000 Haushalten entspricht. Um die Schwankungen bei der Energieerzeugung aus- bzw. an den Bedarf anzugleichen, werden chemische Speicher benötigt, die die Vorratshaltung von mehreren TWh erlauben.

Wasserstoff als Energiespeicher – „Power to Hydrogen“

Wasserstoff ist aufgrund seiner Kompatibilität mit der bestehenden Infrastruktur und aufgrund seiner vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten optimal als Großspeicher geeignet. Entsprechende Kavernen und Gasleitungen sind in Norddeutschland bereits verfügbar, also dort, wo erneuerbare Energiepotenziale am wirtschaftlichsten nutzbar gemacht werden können.

Markteinführungsprogramm für ‚Power to Hydrogen‘ gefordert

Um die Potenziale von Wasserstoff und Brennstoffzelle zu heben, braucht es laut DWV Investitionen und ein Förderprogramm, das zeitlich und im Volumen begrenzt sein kann. Ferner sollte „grüner“ Wasserstoff auf die Biokraftstoffquote und ab 2015 auch auf die Treibhausgasminderungsquote mit dem Vierfachen seines Energiegehalts (4fach-Counting) angerechnet werden, um die Marktdurchdringung für erneuerbares Gas in einem reinen Wasserstoffpfad als Beimischung zu Erdgaskraftstoffen und auch den Einsatz im Raffinerieprozess für konventionelle Kraftstoffe zu ermöglichen.

Anerkennung von „Power to Hydrogen“-Anlagen als Nicht-Letztverbraucher

Laut DWV ist es nicht nachvollziehbar, warum Anlagen, die das EEG-System entlasten und zur Kostendämpfung beitragen, Abgaben zahlen sollen. Durch die vielseitige Anwendbarkeit des Wasserstoffs (auch als Kraftstoff oder Chemie-Rohstoff) können Verluste oder erhöhte Kosten an anderer Stelle in einer Mischkalkulation ausgeglichen werden. Erneuerbarer Wasserstoff kann dadurch schrittweise und finanzierbar in neue Märkte integriert werden und helfen, die Energiewende bezahlbar und sozialverträglich umzusetzen.

Das Nationale Innovationsprogramm (NIP) muss ausgebaut werden

„Wirtschaft und Industrie brauchen Planungssicherheit“, so der DWV. „Die öffentliche Hand muss finanzielle Impulse geben und damit für Motivation sorgen, Grundvoraussetzung für eine breite Einführung der Wasserstofftechnologie.“ Nicht zuletzt ginge es auch darum, die Technologieführerschaft Deutschlands und den Wirtschaftsstandort zu sichern.

Auch die Elektromobilität braucht Wasserstoff und Brennstoffzelle Nur Brennstoffzellen-PKW erlauben lange Reichweiten mit akzeptablen Betankungszeiten. Die Infrastruktur für den Fahrzeugsektor gilt als Wegbereiter einer später breit genutzten Wasserstoff-(Speicher)-Infrastruktur. Je schneller die Wasserstoff-Mobilität Realität wird, umso schneller trägt „grüner“ Wasserstoff zu Versorgungs- und Kostensicherheit im Stromsektor bei.

Schon heute beweisen sich weitere technische Anwendungen von Wasserstoff und Brennstoffzelle im Markt wie z.B. die Hausenergieversorgung mit Kraft-Wärme-Kopplung und die Nutzung der Brennstoffzelle im Brandschutz.

Fazit: Wasserstoff und Brennstoffzelle machen die Energiewende erfolgreicher.

Wissenschaftler stärken Bürgerbeteiligung an der Energiewende

Start der Forschungsinitiative zum gesellschafts- und umweltverträglichen Umbau des Energiesystems / Wanka: „Wir brauchen tragfähige Lösungen“

 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bietet beim Netzausbau an, zwischen der Stromwirtschaft und betroffenen Bürgerinnen und Bürgern unabhängig moderierte und von der Wissenschaft begleitete Bürgergespräche zu organisieren. „Wir sind bereit, konkrete Projekte dazu beispielhaft zu fördern“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung der neuen Forschungsinitiative zum gesellschafts- und umweltverträglichen Umbau des Energiesystems. Dabei werden 33 Verbünde mit insgesamt 100 Partnern an den Start gehen, die vom BMBF mit insgesamt 30 Millionen Euro gefördert werden. Gut zwei Drittel der Forschungsprojekte beschäftigen sich mit Formen und Methoden, die Bürger stärker in die Entscheidungen zur Energiewende einbeziehen.

„Für die große Aufgabe der Energiewende brauchen wir tragfähige und von allen akzeptierte Lösungen vor Ort. Die Wissenschaft kann als neutraler Makler helfen, den Dialog zwischen Bürgern, Wirtschaft, Planern und Entscheidungsträgern zu fördern. Bürgerinnen und Bürger müssen dabei sicher sein können, dass sie frühzeitig einbezogen werden und ihre Argumente in die Entscheidungen einfließen“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Dafür sei der laufende Ausbau der Stromnetze ein gutes Beispiel.

Der aktuell gestartete Förderschwerpunkt stellt insgesamt drei Forschungsthemen in den Mittelpunkt. Neben dem Schwerpunkt der Analyse und Bewertung von gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Akzeptanz der Energiewende und Entwicklung neuer Strategien zur Bürgerbeteiligung wird als zweites Thema der Netzausbau, die Regionalisierung und Dezentralisierung der Energieerzeugung und -versorgung aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive betrachtet. Zum dritten werden neue Geschäftsmodelle für die Energieversorgung auf lokaler und regionaler Ebene erprobt. Das Spektrum reicht von Ideen, wie Bürgerinnen und Bürger zu Miteigentümern von Stromnetzen werden über die Frage, wie stromsparende Geräte schneller in die Haushalte kommen bis hin zu Konzepten, steigende Energiepreise gerecht zu verteilen.

Die 33 Projekte wurden aus insgesamt 150 eingereichten Vorschlägen ausgewählt. „Das zeigt: Wir haben mit diesem fächerübergreifenden Thema den Nerv getroffen“, sagte Wanka. Die beteiligten Hochschulinstitute und außeruniversitären Forschungseinrichtungen decken ein breites wissenschaftliches Spektrum ab. Vertreten sind sowohl Wirtschafts-, Sozial-, Klima-, Energie- und Umweltwissenschaften sowie die Rechts-, Kommunikations-, Kultur- und Raumwissenschaften, als auch die Ingenieur- und Naturwissenschaften, die Philosophie und Stadtforschung. In der Regel arbeiten etwa zwei bis vier Institute interdisziplinär zusammen und beziehen dabei Kommunen, Stadtwerke, Energie- und Kommunikationsagenturen als Praxispartner mit ein.


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Erhebliche Zweifel, ob das wirklich ein Sieg ist

MdL Neuhof sieht eine vertane Chance

 – Kreis Altenkirchen – „Die Bündnisgrünen vor Ort haben sich immer für einen umfassenden und großflächigen Naturschutz auf dem Stegskopf eingesetzt und gleichzeitig eine intensive Prüfung einer wirtschaftlichen Nutzung, auch durch Windenergie, unterstützt“, kommentierte Anna Neuhof, „grüne“ MdL aus dem Kreis Altenkirchen, die Entscheidung, den Stegskopf zum Nationalen Naturerbe zu erklären. Diese Möglichkeit sei nun ohne Prüfung vom Tisch. „Klimaschutz ist Naturschutz, die Nutzung erneuerbarer Energien ist ein wichtiger Teil neben Einsparung und Effektivität bei der Nutzung von Energie. Es gibt keine ernsthaften wissenschaftlichen Widersprüche, dass die globalen Klimaveränderungen kaum noch zu stoppen sind. Eines der windhöffigsten Gebiete in Rheinland-Pfalz ganz und ohne ernsthafte Prüfung als Mischgebiet – Naturschutz und Energieerzeugung – ganz aufzugeben: ob das wirklich ein Sieg ist, erhebliche Zweifel drängen sich auf“, sagte Neuhof, Fraktionssprecherin für Waldpolitik, Tierschutz und ländliche Räume.

Eine Mischnutzung auf dem Stegskopf, das sinnvolle Zusammengehen von Ökologie und Ökonomie verankert in der Region – die einsame Entscheidung in Berlin habe hier ohne jedwede Rücksprache auf Landesebene, mit der SGD Nord oder den betroffenen Kreisen, von den Kommunen ganz zu schweigen alle Pläne zunichte gemacht. „Es sind viele Fragen offen. Noch vor wenigen Wochen waren dieFlächen zur Pacht angeboten und die Genossenschaften ermutigt worden, tätig zu werden.“ Die SGD Nord habe intensive Planungen getätigt, ein Naturschutzgebiet auszuweisen.

„Vom Tisch sind damit auch die Planungen der Energiegenossenschaften, zusammen mit den Bürgern und den ansässigen Ortsgemeinden der VG Daaden regionale Wertschöpfung zu generieren und ein wirkliches Projekt ,Energie in Bürgerhand‘ umzusetzen. Da sind nicht nur Träume geplatzt, da ist auch einem ganz konkreten Vorhaben mit einem Pinselstrich das ,Aus‘ beschert worden. Es hätte ein vorbildliches Projekt werden können“, erläuterte Neuhof weiter.

Falls im Prüfverfahren eine Nutzung durch Windkraft möglich geworden wäre, ein Teil der erwirtschafteten Erträge hätte dem Naturschutz auf dem Stegskopf zu Gute kommen können. Die einzigartigen Naturflächen auf dem Stegskopf erhielten sich nicht von alleine, ohne extensive Bewirtschaftung, Beweidung und andere Maßnahmen verbuschten die wertvollen Freiflächen. Neuhof: „Für Harry Neumann scheint das kein Problem zu sein, denn die Kosten seien übersichtlich, 30 000 Euro pro Jahr wurden genannt. Nur, wer bezahlt das. Das durchaus bemerkenswerte Natur- und Kulturkonzept des BUND zeigt ebenfalls keine Finanzierungsmöglichkeiten auf. Wir gönnen den Naturschutzverbänden ihre Freude über diese Entscheidung. Sie stehen jetzt in der Pflicht ein tragbares, finanzierbares Konzept zu entwickeln.“

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Montag, 10. Februar 2014, Seite 12

Planer bleiben optimistisch

Quelle: Siegener Zeitung / Altenkirchen

Windparks im AK-Land
Kreis Altenkirchen. Trotz der Ankündigung aus Berlin, dass die Förderung für Windenergieanlagen gekürzt werden soll, bleiben die Projektplaner optimistisch.

damo – Auch wenn seine Intention eine andere ist: Derzeit spricht einiges dafür, dass Umweltminister Sigmar Gabriel Einfluss auf die Windkraft-Debatte im Kreis AK nehmen wird. Der Berliner Rotstift soll auch den Ausbau der Windkraft im Binnenland berühren. Und genau dieser Aspekt könnte für das AK-Land weitreichende Folgen haben.

Noch bleiben die Planer aber optimistisch. Für den Projektentwickler Juwi, der ein Auge auf den Giebelwald geworfen hat,  betonte Pressesprecher Michael Löhr: „Wir halten zu 100 Prozent an unseren Plänen fest.“ Man setze darauf, dass „sich die Vernunft durchsetzt“. Denn „grundsätzlich ist eine große Mehrheit der Bevölkerung für die Energiewende“. Entscheidend sei jetzt die „genaue Ausformulierung der Pläne Gabriels“, denn noch sei vieles offen.

Fast gleichlautend fällt die Antwort von Günter Knautz von der Wäller Energiegenossenschaft aus. „Aus dem, was gesprochen wird, ist noch gar nichts Konkretes zu packen. Im Moment besteht kein Anlass, unsere Vorhaben anders zu bewerten als bisher.“

Peter Müller berichtete, die Genossenschaft „Maxwäll“ halte  an ihren Plänen fest, allerdings müsse man in Verträgen eine Vorbehaltsklausel einbauen. Was ihn aber auf die Palme bringt: „Es ist völlig unverständlich, dass man mit Blick auf die Kostenersparnis  Offshore-Windparks ausbauen und im Binnenland kürzen will.“

 

„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“

Unser Mitglied Manfred Müller macht aufmerksam auf ein Buch und
weist  auf ein Seminar dazu hin: Mi. 12.03.2014, 20.00 – 21.30 Uhr ( Marienberger Seminare)

„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“
ein Buch von Claus Leggewie und Harald Welzer

Unser jetziger komfortabler Lebensstil beruht zu 80 Prozent auf der Verbrennung fossiler Energieträger; und das ließe sich in keiner Hinsicht länger aufrechterhalten. Zwangsläufig müsse sich ein anderer Lebensstil entwickeln, mit radikal veränderten sozialen, politischen und kulturellen Strukturen, so Claus Leggewie und Harald Welzer in ihrem Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“.

Mit Blick auf die notwendige Krisenbewältigung, so ihre Meinung, ist eine verstärkte demokratische Teilhabe der Bürger kein Luxus, sondern eine notwendige Bedingung, zumal der Klimawandel noch viel tiefgreifender ausfallen wird als bislang vermutet. Sie blicken auf Phänomene wie Temperaturanstieg, Dürren und Überflutungen und fragen sich nach deren Auswirkungen auf zukünftige Sozial- und Kulturverhältnisse. Der nötige Umbauprozess der Gesellschaft soll letztlich von einer politisch hoch- motivierten, aktiven Zivilgesellschaft getragen werden.

 

Infokampagne zur Strompreislüge

Kampagne zur Strompreislüge

Die Gegner der Energiewende blasen zum Angriff auf die erneuerbaren Energien und auf das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Mit verzerrten Kostenargumenten machen sie gegen die Energiewende Stimmung, denn: Dezentrale Strukturen und Bürgerbeteiligung stören die althergebrachte, zentral organisierte Energieversorgung und schmälern die Gewinne der großen Energiekonzerne.

Die Bundesregierung lamentiert über hohe Strompreise, unterstützt aber gleichzeitig die ungerechte und unsoziale Umverteilung der Energiekosten: Großverbraucher in der Industrie werden von den Kosten der Energiewende befreit. Privatkunden und kleinere Unternehmen müssen nicht nur die volle Last tragen, sondern auch die Befreiungen und Vergünstigungen der Industrie auffangen.

Ziel der gemeinsamen Kampagne von Energieriesen und Bundesregierung ist es, den Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien zugunsten der alten zentralen Großstrukturen zu stoppen und damit eine Steilvorlage zur Rücknahme des Atomausstiegs zu liefern.

Das werden wir nicht zulassen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir den Ausstieg aus den Erneuerbaren und den Wiedereinstieg in die Atomkraft verhindern. Deshalb haben wir diese Info-Kampagne gestartet und bieten Ihnen ein Paket mit Flyern zur Strompreislüge. In unserem neuen Faltblatt widerlegen wir kurz und knackig die Lügen von Politikern und Energiekonzernen.

 

 

Klar-Folien setzt künftig auf eigene Energie

Quelle: Westerwälder Zeitung vom Montag, 2. Dezember 2013, Seite 9

Wirtschaft
Dernbacher Unternehmen ist unabhängig von Stromanbietern – Sonnenenergie wird übers Jahr gespeichert
Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Dernbach. Der Dernbacher Folienhersteller Klar geht in der Energieversorgung ganz neue Wege und hat jetzt in eine innovative Energie-Anlage investiert, die Modellcharakter für andere Westerwälder Mittelständler haben könnte. Das Familienunternehmen wird ab 2014 völlig energieautark und ist damit unabhängig von jeglichen Stromanbietern. Denn die Westerwälder Firma produziert nicht nur den Strom, den sie tagtäglich benötigt, dank einer Fotovoltaikanlage selbst, sondern sie wird die Sonnenenergie mittels neuester Technik künftig auch über einen langen Zeitraum speichern können. Im März kommenden Jahres soll die High-Tech-Anlage des Auricher Herstellers Mossau Energy in Betrieb gehen.

Bereits jetzt wurde das Herzstück der Anlage, ein elf Meter langer Wasserstofftank, mit Hilfe eines schweren Spezialkrans auf das Firmengelände in Dernbach gehievt. „Die Anlage ist in ihrer Art nicht nur einmalig im Westerwaldkreis, sondern in ganz Deutschland“, betont Wolfgang Klar, der das Projekt als technischer Berater der drei Firmenchefs Diethelm Klar (Klar Folien), Markus Klar (Markus Klar Folien) und Hendrik Klar (FVG) seit gut zwei Jahren betreut. „Unser Ziel ist es, unabhängig von Anbietern wie der Kevag zu werden. Wir können unseren Strom allein erzeugen und speichern“, betont Klar.

Doch es geht dem Mittelständler nicht nur darum, unabhängig von der Strompreisentwicklung zu sein und damit Energiepreise und Betriebskosten langfristig überschaubar zu halten, sondern es steckt auch eine gute Portion Idealismus dahinter. „Den endgültigen Ausschlag für diese Investition haben der Reaktorunfall von Fukushima im Jahr 2011 und der Atomausstieg gegeben“, erläutert der Berater. „Wir wollten nicht auf die Politik warten. Wir machen unsere eigene Energiewende“, betont er.

Unspektakulär sieht der 20-Kubikmeter-Tank auf der Ladefläche des Mehrtonners aus, der künftig die Energiewende bei Klar Folien möglich macht. Der Tank speichert übers Jahr Sonnenenergie in Form von Wasserstoff.

Viele Mittelständler, so der Berater, verfolgen das Energiethema derzeit mit großem Interesse und suchen nach Lösungen für ihren Betrieb. „Wir wissen nicht, wie sich die Strompreise in Zukunft entwickeln werden. Nur eines ist klar: Sinken werden die Preise nicht“, betont der Unternehmer. Auch wenn sich die Investition in Höhe von mehreren hunderttausend Euro, das genaue Volumen nannte Klar nicht, jetzt noch nicht betriebswirtschaftlich rechne. „Auf lange Sicht wird es sich lohnen“, ist Klar sicher.

Der Folien-Hersteller beschäftigt sich schon seit langem mit der umweltfreundlichen Nutzung der Sonnenenergie. Schließlich vertreibt und konfektioniert das Unternehmen selbst Folien, die in Fotovoltaikzellen eingelassen sind. Bereits vor zwei Jahren hat das Unternehmen auf dem Firmendach eine rund 1.000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage mit 950 Modulen und einer Jahresleistung von 90.000 bis 100.000 Kilowattstunden installiert. Damit produziert die Firma vier Mal so viel Strom wie sie im Jahr selbst verbraucht.

Bislang kann der Folienhersteller die selbst produzierte Energie nur mittels einer Batterie für maximal zwei Tage zwischenspeichern. „Damit können wir die Nächte oder sonnenärmere Tagesabschnitte überbrücken“, erläutert Klar. Mit Hilfe der neuen Technik eröffnen sich aber ganz neue Dimensionen. Unter Einsatz der Sonnenergie wird Wasser in einem Elektrolyseverfahren in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Energieträger Wasserstoff wird dann unter hohem Druck in den 20-Kubikmeter-Tank auf dem Firmengelände gepresst und dort gespeichert.

Bei Bedarf wird der gesamte chemische Prozess in den Brennstoffzellen, die sich in Schaltschränken der Lagerhalle befinden, umgekehrt. Dadurch entstehen wieder Wasser und elektrische Energie. „Mit dieser saisonalen Speicherung per Wasserstoff können wir den Winter überbrücken und müssen keinen Strom dazukaufen“, sagt Klar zufrieden. „Für Gewerbebetriebe in unserer Größenordnung gab es eine solche technische Lösung bislang nicht“, sagt er. Westerwälder Unternehmern bietet Klar an: „Wer sich über die Anlage informieren möchte, ist herzlich willkommen.“

Koalitionsvertrag: Erneuerbaren-Verbände üben harsche Kritik

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

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8.11.2013: Mit dem Koalitionsvertrag ist es wie mit jedem Vertrag: Nicht die Überschriften, sondern die Details und das Kleingedruckte machen den Inhalt aus. Zwar „bekennen“ sich Union und SPD am Anfang des Energiekapitels zur Energiewende. Doch wird diese bei Einhaltung des dann folgenden Textes zweifellos zäher und langsamer vonstattengehen als bisher. Kernpunkte wie ein „gesetzlich festgelegte Ausbaukorridor“ für Erneuerbare Energien (demnach soll der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien gedeckelt werden auf 40 bis 45 Prozent im Jahre 2025 bzw. 55 bis 60 Prozent im Jahr 2035) oder das Fehlen von konkreten Maßnahmen für den Ausbau von Erneuerbaren Energien im Wärmesektor lassen bei den Verbänden der Erneuerbaren Energien die Alarmglocken schrillen: Sollte der vorgestellte Ausbaukorridor politischer Rahmen werden und Kohlekraftwerke übernähmen den Rest der Versorgung, so fiele die Energie- und Klimapolitik der nächsten vier Jahre hinter das Niveau von Vor-Fukushima-Zeiten zurück, rechnet etwa der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) vor. Eine „Energiewende“ stelle sich die Branche der Erneuerbaren Energien anders vor. Das Fazit des BEE-Präsidenten Fritz Brickwedde: „Die große Koalition tritt bei der Energiewende auf die Bremse.“

Mehr lesen:

Union, SPD: Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. 18. Legislaturperiode. 27.11.2013.

BEE-Pressemitteilung: Große Koalition tritt bei Energiewende auf die Bremse. 27.11.2013

Konversion Auf dem Stegskopf sollen sich bald Rotoren drehen.

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Samstag, 30. November 2013, Seite 12

Leserbrief

„Eine der windreichsten Gegenden“

Spätestens seit Fukushima ist die Energiewende in der Bundesrepublik beschlossene Sache, und das ist gut so. Die Energiewende kommt und mit ihr natürlich auch Windkraftanlagen im Westerwald. Ja, Windkraftanlagen beeinträchtigen unbestritten das Landschaftsbild des hohen Westerwaldes. Diese Erkenntnis ist aber nicht neu. Schließlich blicken wir seit nunmehr 20 Jahren auf die quer über den Westerwald verteilten Anlagen. Haben wir uns nicht mittlerweile an deren Anblick gewöhnt? Zugegeben, die Ausmaße der heutigen Windkraftanlagen sind in keiner Weise mit den Anlagen der ersten Generation vergleichbar. Unsere Autos waren vor 20 Jahren aber auch noch kleiner und die Verkehrsdichte wesentlich entspannter. Fahren wir deshalb weniger? Sind zentrale Großkraftwerke etwa die Alternative? Wohl kaum! Nicht vorstellbar, wäre das in den siebziger Jahren geplante Kohlekraftwerk tatsächlich in Weitefeld gebaut worden. Aber auch in diesem Kraftwerk wäre die Energie erzeugt worden, um die Lichter weit über die Grenzen des Daadener Landes hinaus nicht ausgehen zu lassen. Den Ausführungen der Windkraftgegner folgend könnte man zu der Erkenntnis kommen, Kommunen und Interessenvertreter vor Ort hätten die Absicht, die gesamte Fläche des ehemaligen Truppenübungsplatzes mit Industrieflächen und einem Windpark zu belegen. Angst einflößende Fotomontagen mit einer Vielzahl hineinkopierter Windkraftanlagen gewaltigen Ausmaßes werden konstruiert. Von gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Windkraftanlagen ist sogar die Rede. Hier wird mit unsachlichen Argumenten schlicht und ergreifend Stimmung in der Bevölkerung erzeugt. Das oft und zu Recht herangezogene negative Beispiel Soonwald im Rhein-Hunsrück-Kreis mit mehr als 150 Anlagen darf und wird sich im Westerwald nicht wiederholen. Wir reden einerseits von einem einzigartigen und zweifelsfrei schützenswerten Teil unserer Heimat. Jeder, der den Stegskopf kennt oder in naher Zukunft kennenlernen wird, muss zu dieser Einschätzung kommen. Andererseits handelt es sich aber auch um eine der windreichsten Gegenden in Rheinland-Pfalz mit idealer Infrastruktur um dort Windkraftanlagen in Maßen zu platzieren. Wenn wir aus dem Atomzeitalter aussteigen wollen, müssen wir aufeinander zugehen können. Zum Nulltarif wird es eine Energiewende nicht geben. Aus diesem Grund nicht nur die Windkraft auf dem Stegskopf, sondern generell infrage zu stellen, ist falsch.

Martin Lenz, Friedewald

 

Konversion: Drei Naturschutzverbände haben einen „Zukunftsappell Stegskopf“ an die Landräte der Kreise Altenkirchen und Westerwald gerichtet.

Leserbriefe: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Donnerstag, 28. November 2013, Seite 12

Konzept völlig unausgegoren

Mein ganz wichtiger Zukunftsappell an die Landräte: Schafft kein weiteres Projekt, das mit Steuermitteln ständig gestützt werden muss. Verschont die an den Stegskopf angrenzenden Kommunen von erheblichen Ausgaben in ein Projekt, dessen Konzept völlig unausgegoren ist: Die Naturschutzverbände haben einen Riesenkatalog an Forderungen vorgelegt und keinen Vorschlag für die Finanzierung von mehreren Hunderttausend Euro pro Jahr gemacht, außer durch Steuergelder. Sie verweisen auf „Millionen von Geschossmunition und Blindgängern, auf 14 Schießbahnen, 3 Panzerfaustbahnen und 2 Handgranatenwurfplätze“. Und trotzdem ist der Stegskopf ein „ökologisches Juwel“? Es soll „Personen das Betreten des Truppenübungsplatzes verweigert werden“. Heißt das: Dort dürfen sich nur ausgewählte Naturschützer bewegen? Und wie soll sich dann der Landkreis Altenkirchen in verfallenden militärischen Hinterlassenschaften „touristisch positionieren“? Wenn man den Stegskopf dauerhaft für Mensch und Natur gestalten und erhalten und die vielen schönen Wünsche der Naturschützer erfüllen will, dann geht das nur über die ständige Bereitstellung erheblicher Geldmittel. Diese kann man am ökologischsten über den Bau von wenigen Windrädern im westlichen Bereich erwirtschaften. Das haben zum Glück alle Verantwortlichen erkannt, und daher mein Zukunftsappell an die Landräte: Weist diese Fläche im Regionalplan als Vorranggebiete aus. Man kann dort zwar nicht „die Energiesorgen der Region über Windkraftnutzung lösen“, aber mit sechs Windrädern soviel zum Klimaschutz beitragen wie an anderen Stellen im Westerwald mit zwölf Anlagen. Das entlastet Mensch und Natur. Und an alle Verantwortlichen: Sorgt dafür, dass als Betreiber die Bürger eingebunden werden, das schafft die nötige Akzeptanz und eine Wertschöpfung in der Region. Wir leben in Giesenhausen schon seit fast 20 Jahren mit Windrädern wenige 100 Meter entfernt, aber sie gehören den Bürgern.

Peter Pflaum, Giesenhausen

 

Solarpark liefert Strom für 500 Haushalte

Westerwälder Zeitung vom Mittwoch, 2. Oktober 2013, Seite 21

Auf einem ehemaligen Tongrubengelände in der Nähe von Boden ist ein neuer Solarpark in Betrieb genommen worden. Die Anlage mit dem Namen Steinkaut produziert eine Leistung von 2,5 Megawatt-Peak und kann etwa 500 Haushalte mit Strom versorgen. Gebaut wurde sie von Unternehmer Florian Conze aus Roth (Kreis Altenkirchen), der mit seiner Firma Elektro Conze GmbH 1,5 Megawatt-Peak selbst vermarktet. Der Rest ist in den Händen der Altenkirchener Energiegenossenschaft Maxwäll-Energie, an der Bürger, Vereine, Kommunen und Unternehmen Anteile erwerben können, um die Energiewende zu fördern und selbst etwas Geld damit zu verdienen .
Die beteiligten Unternehmen investierten auf dem Konversionsgelände rund drei Millionen Euro. Das fünf Hektar große Areal gehört der Ortsgemeinde Boden, die es für zunächst 20 Jahre an die Betreiber des Solarparks verpachtet hat. Der Kommune entstanden selbst nur relativ geringe Kosten für Gutachten und Bebauungsplan, berichtet Ortsbürgermeister Peter Stamm. Die Pachteinnahmen für einen Solarpark freilich sind höher als bei einer landwirtschaftlichen Nutzung. Einen kleinen Anteil an der Genossenschaft hat die Gemeinde Boden überdies selbst erworben. Im Rat gab es laut Stamm breite Zustimmung für das Projekt.
Der Solarpark bei Boden ist im Übrigen schon die zweite Anlage der Maxwäll-Energie Genossenschaft im Westerwaldkreis. Ein erster Park mit rund 800 Kilowatt-Peak Leistung wurde im Januar bei Rennerod eröffnet (die WZ berichtete). Darüber hinaus plant die Genossenschaft, ihr Geschäftsmodell auf neue Windparks auszudehnen, berichtet Vorstand Peter Müller aus Altenkirchen. Vor dem Hintergrund der sinkenden Einspeisevergütung für Solarstrom  verliert das herkömmliche Geschäftsmodell für Betreiber von Fotovoltaikanlagen künftig zwar an Relevanz. Für bereits gestartete Solarparks ist die staatliche Förderung allerdings noch auf Jahre garantiert. In Zukunft, so Peter Müller weiter, wird es überdies immer interessanter, den gewonnenen Strom in unmittelbarer Nachbarschaft einer Anlage zu verbrauchen – denn die selbst erzeugte Energie ist in der Regel günstiger als der Strom großer Versorger. Nach Müllers Auffassung lohnt es sich deshalb, weitere Solar- und Windparks in der Nähe energieintensiver Unternehmen zu errichten und den Strom an Ort und Stelle zu verkaufen. Auf diesem Weg können zudem auch Energieverluste auf langen Transportwegen vermieden werden, die zum Beispiel bei Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee obligatorisch sind.

Peter Müller (2. von rechts) von der Maxwäll Energiegenossenschaft betätigt den symbolischen Startknopf für den Solarpark in Boden. Mit ihm freuen sich (von links) Ortsbürgermeister Peter Stamm, Landrat Achim Schwickert und Edmund Schaaf, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur (rechts). Foto: Thorsten Ferdinand
Bei strahlendem Sonnenschein kamen Beiligte, Bundestags-, Landtags- und Kreistagsmitglieder zur Anlage um sich selbst ein Bild vom Solarpark in Bürgerhand zu machen. Foto: Thorsten Ferdinand

Die offizielle Eröffnung des neuen Parks war Teil einer landesweiten Aktionswoche mit dem Namen „Ein Land voller Energie“. Aus diesem Grund kamen Westerwälder Landtagsabgeordnete und viele Mitglieder des Kreistags zum Treffen in Boden.
Darüber hinaus machten sich Bodener Bürger und einige Mitglieder der Maxwäll-Genossenschaft ein Bild von der Anlage. Anschließend lud die Ortsgemeinde Boden zu einer Feierstunde in der Ahrbachhalle ein.                Thorsten Ferdinand

 

Einweihung des Solarparks Steinkaut in Boden im Rahmen der Aktionswoche »Rheinland-Pfalz ein Land voller Energie«

Bei der Pressekonferenz am Dienstag, 17. September 2013, in Mainz zu der Aktionswoche des Landes Rheinland-Pfalz Ein Land voller Energie, wies Ministerin Lemke noch einmal deutlich darauf hin, welche Bedeutung dem Projekt Energiewende und damit den Anstrengungen des Landes RLP zukommen.

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