Maxwäll-Energie fördert Schulprojekt »Windradbau«

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf, Freitag, 28. November 2014, Seite 23

S P E N D E   F Ü R   W I N D R A D – P R O J E K T
Maxwäll-Energiegenossenschaft gibt 1.500 Euro

für Initiative der Berufsbildenden Schule Betzdorf-Kirchen

Betzdorf/Kirchen. Schüler der Berufsbildenden Schule Betzdorf-Kirchen (BBS) planen und bauen ein Windrad an der Schule auf dem Molzberg. Die RZ berichtete mehrfach. Seit zwei Jahren wird unter Anleitung von Lehrer Burkhard Hensel an dem Projekt gearbeitet. Ein Modell-Prototyp der Anlage ist fertig. Nun geht es langsam an die Umsetzung zum Bau der Anlage. Der Standort steht noch nicht ganz fest. Auf dem Dach des Schulgebäudes, so Schulleiter Michael Schimmel, sei die Energieausbeute besser. Aber wenn das Windrad neben der Schule aufgestellt werde, dann sei der Lerneffekt größer. Schüler können es direkt aus der Nähe betrachten. Auf dem Dach ist das nicht möglich.

Die Maxwäll-Energiegenossenschaft aus Altenkirchen, die für regionale Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien eintritt, findet die Idee der Schüler der BBS so gut, dass sie 1.500 Euro für das Projekt spendet. Friedrich Hagemann, Aufsichtsratsvorsitzender der Energiegenossenschaft, und weitere Aufsichtsrats- wie Vorstandsmitglieder überreichten Mittwochabend den Scheck und informierten sich über das Windradprojekt. an

Friedrich Hagemann (vorne links), Aufsichtsratsvorsitzender der Maxwäll-Energiegenossenschaft, überreichte Lehrer Burkhard Hensel für das Windradprojekt der BBS einen Scheck über 1.500 Euro. Foto: Andreas Neuser

Ein schwarzer Tag fürs Klima

Gemessen an 1990 will die EU bis 2030  „mindestens 40 Prozent“ weniger Treibhausgase in die Luft blasen. Das klingt viel, aber es hätten 60 % sein müssen, wenn der globale Temperaturanstieg auf unserer Erde bis zum Ende unseres Jahrhunderts nicht mehr als zwei Grad steigen soll – was der letzte Klimagipfel beschlossen hatte.

So aber wird die Temperatur um bis zu fünf Grad höher sein als heute, wenn der Rest der Welt nicht ehrgeizigere Ziele beschließt. Das war ein schwarzer Tag für Europa. Der bisherige Vorreiter beim Klimaschutz wird zur lahmen Ente.
Das heißt konkret und praktisch: Wir werden in Deutschland im Sommer Temperaturen von bis zu 48 Grad bekommen, was sich kaum jemand vorzustellen vermag.
Die langfristige Folge: Europa wird Afrika und Afrika wird unbewohnbar. Die Befürchtung des letzten UNO-Klimagipfels könnte Realität werden: 200 Millionen Klima-Flüchtlinge werden über den Nachbarkontinent irren und Wege nach Europa suchen. Wohin sollten sie denn sonst? Sie werden zu denen fliehen, welche den Klimawandel verursacht haben. Das sind nicht die Afrikaner, sondern wir, die etwa zwanzigmal mehr Energie verbrauchen als sie. Wer das Klima zerstört, wird zwangsweise Klimaflüchtlinge ernten. Zudem wird der Umbau zur solaren Industriegesellschaft verantwortungslos verzögert. Das bedeutet weniger Wachstum und weniger Arbeitsplätze.

Die Ursache: Wir verbrennen heute an einem Tag so viel Kohle, Gas und Öl wie die Natur in einer Million Tagen geschaffen hat. Klaus Töpfer vermutet, dass schon heute 18 Millionen Klimaflüchtlinge über unseren südlichen Kontinent umherziehen, zum Beispiel auf der Suche nach einer Wasserstelle.

Am Nord- und Südpol schmelzen die Gletscher fünfmal schneller als noch vor 15 Jahren vermutet. Täglich verlieren wir bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten. Und der renommierte Meeresforscher Mojib Latif hat sein neues Buch „Das Ende der Ozeane“ genannt.

In dieser für den Planeten und alles Leben dramatischen Situation vertagt der bisherige Klimaschutz-Vorreiter EU die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Damit wird auch der Umbau zur solaren Industriegesellschaft verantwortungslos verzögert, was weniger Wachstum und weniger Arbeitsplätze bedeutet.

Die Lösung des Problems ist schon lange bekannt. Sie besteht in drei Schritten.

  • Erstens im raschen Umstieg auf erneuerbare Energie,
  • zweitens im Energiesparen und
  • drittens in mehr Energie-Effizienz.

Doch bei allen drei Schritten ist der Brüsseler Kompromiss – 40% weniger Treibhausgase, 27% Einsparung und 27% erneuerbare Energie – zu wenig ambitioniert, um wenigstens noch das Schlimmste an der Klimakatastrophe zu verhindern.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien zwischen 2000 und 2012 in Deutschland sowie die großen Fortschritte der Energiewende in Dänemark und Schweden aber auch seit zwei Jahren in China und  Kalifornien beweisen, dass die EU mit ihren technologischen Möglichkeiten bei der „Überlebensfrage der Menscheit“ (Angela Merkel) weit mehr tun könnte. Das Atom-Land England und das Kohle-Land Polen haben ehrgeizigere Ziele verhindert.

Aber auch Deutschland fördert  zurzeit eher die Kohle als die erneuerbaren Energien und hatte deshalb schlechte Karten in Brüssel.

Der Gipfelchef Herman van Rampuy hatte zum Gruppenfoto der Regierungschefs seine sechs Enkelkinder mitgebracht. Er wollte deutlich machen, worum es beim Klimaschutz geht: Um die Zukunft der nächsten Generationen. Doch das kleinste Kind weinte. Es hatte viel Grund dazu.

Gegen den Wind: Gastbeitrag von Claudia Kemfert

Ein Gastbeitrag von Claudia Kemfert, erstmals veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung am 5. August 2014.
mit Genehmigung vom Büro Kemfert hier veröffentlicht

Warum deutsche Unternehmen so oft die Energiewende schlechtmachen und warum man nicht auf sie hören sollte.

Mal wieder ist die Energiewende schuld. Die Bürger hören von der Energiewende, die zumindest eine Zeit lang als das wichtigste wirtschaftspolitische Projekt seit dem Wiederaufbau galt, nur noch, wenn irgendjemand jammert oder – schlimmer noch – eine schlechte Nachricht zu überbringen hat. Dann heißt es: Der Ökostrom ist schuld. Oder: Die Energiewende überfordert. Oder: Das EEG ist ineffizient, zu teuer. Da ist es schon fast egal, ob das, was es zu beklagen oder zu rechtfertigen gilt, überhaupt in irgendeinem Zusammenhang mit dem Beklagten steht. So ist das eben, wenn man einen Sündenbock sucht.

Dieser Tage war beispielsweise im Spiegel zu lesen, die Unternehmen würden wegen der hohen Energiepreise in die USA abwandern – allen voran die BASF. Eon-Chef Johannes Teyssen warnt parallel dazu in einem Wirtschaftsblatt vor den hohen Preisen durch die Energiewende und die damit einhergehenden Belastungen für die deutschen Unternehmen. Wenn es doch so einfach wäre. Schade nur, dass die Welt komplexer ist. Wobei sich die Lage dem kritischen Zeitungsleser durchaus einfach erklären lässt.

Zum Beispiel so: Wenn ein Konzern behauptet, er müsse „wegen der hohen Strompreise“ abwandern, dann zeigt die Konzernführung damit allerhöchstens strategische Ignoranz den wahren Problemen gegenüber – oder fährt ein raffiniertes Ablenkungsmanöver. Fakt ist: Stromkosten machen im Schnitt etwa drei Prozent des Unternehmensumsatzes aus. Andere Kosten sind deutlich höher. Einzelne – energieintensive – Unternehmen haben in der Tat hohe Energiekosten; genau die sind aber umfassend von nahezu allen politisch motivierten Zahlungen ausgenommen: der Ökosteuer, dem Emissionsrechtehandel und nicht zuletzt von den Zahlungen des EEG. Gerade diese Unternehmen profitieren zudem von den aktuellen, historisch niedrigen Strompreisen an der Börse. Wenn Unternehmen tatsächlich Abwanderungspläne hegen, dann ganz sicher nicht wegen der (niedrigen oder nur geringfügig höheren) Strompreise, sondern wohl eher wegen Lohn- oder Produktionskosten, weil im Ausland Steuererleichterungen locken oder weil die zentralen Absatzmärkte inzwischen nicht mehr in Deutschland oder Europa liegen.

Die einzigen Energiekosten, die manches Unternehmen tatsächlich belasten dürften, sind die Kosten für Gas und Öl. Gerade Letztere sind in der Tat massiv gestiegen. Darüber liest man allerdings kaum Klagen. Kein Wunder, für die steigenden Ölpreise ist die „unsichtbare Hand“ des Marktes verantwortlich, und die Preissteigerung ist wenig überraschend. Im Gegenteil: Wir wissen seit einem halben Jahrhundert, dass das fossile Zeitalter seinem Ende zugeht. Eben darum suchen wir ja nach neuen Energiequellen. Das Beste an den erneuerbaren Energien ist, dass ihre Preiskurve nicht wie beim Öl und Gas zwangsläufig nach oben geht, sondern seit vielen Jahren rapide sinkt. Energie aus Wasser, Wind, Sonne oder Biogas wird immer billiger, je mehr wir davon produzieren.

Die alten Kraftwerke rechnen sich nur noch, weil politisch nachgeholfen wird.

Dass ausgerechnet die BASF keine Gelegenheit auslässt, die Energiewende für überhöhte Gaspreise verantwortlich zu machen (obwohl die Gaspreise nun wirklich nichts mit der Energiewende zu tun haben), ist besonders absurd. Nicht nur weil der Chemiekonzern als Zulieferer der Öko-Energiebranche in hohem Maß von der Energiewende profitiert, sondern auch weil die BASF selbst für hohe Gaspreise in Deutschland mitverantwortlich ist: Der Konzern aus Ludwigshafen ist nämlich am North-Stream-Konsortium beteiligt, jener Ostsee-Pipeline, durch die Gas von Russland nach Deutschland transportiert wird. Um den kostspieligen Bau der Pipeline für Investoren lukrativ zu machen, haben die wirtschaftlich Beteiligten mit den Abnehmern auf einen sehr langen Zeitraum Verträge geschlossen. Darin festgelegt: die Gaspreise! Diese heute als „zu teuer“ zu brandmarken, ist zwar richtig; nur die Ursache liegt eben nicht in der Energiewende.

Man könnte über derlei Vertuschungsversuche für vielfältiges Manager-Versagen lachen, wenn die Lage nicht so ernst und die Versuche so wirkungsvoll wären. Möglicherweise sind die lautstarken Kritiker der Energiewende nämlich ausgesprochen raffiniert. Denn hinter dem Gejammer stecken versteckte Wirtschaftsinteressen, der Versuch, weitere Subventionen von der Politik zu erpressen.

Im Strommarkt geht es um sehr viel Geld. Das macht weniger den Abnehmern Sorgen als den Anbietern. Die großen Energiekonzerne haben das Projekt „Energiewende“ in den letzten Jahren nicht ernst genug genommen. Doch inzwischen sind die erneuerbaren Energien eine relevante Marktkraft geworden. Alte, ineffiziente Kraftwerke, die auf fossile Energien setzen, rechnen sich nicht mehr, weil der Strompreis an der Börse niedrig ist. Weil man den erneuerbaren Energien in der Vergangenheit nicht zugetraut hatte, die sogenannte Grundsicherung zu leisten, hat man gesetzlich verankert, dass ein Teil der Kraftwerke nicht abgeregelt werden, sondern das ganze Jahr über, Tag und Nacht ohne Drosselung durchlaufen. Das führt im Zusammenspiel mit den überaus leistungsstarken Öko-Energien zu einem massiven Strom-Angebotsüberschuss – gerade dann, wenn viel Sonne und Wind da ist. Eine Reduzierung der Kohlekraft wäre deswegen im Sinne der politisch gewollten Energiewende sinnvoll und aufgrund der Überschüsse im Strommarkt leicht möglich. Doch die alten CO2-Schleudern arbeiten weiter – angeblich aus technischen, aber vor allem aus Kostengründen –, je niedriger die Preise, desto mehr Ware muss eben auf den Markt kommen. Kohlestrom verkäme zum Ramschprodukt, würden nicht politische Rahmenbedingungen den Niedergang hinauszögern.

Nun sollen sogenannte Kapazitätsmärkte den ohnehin stark regulierten Energiemarkt ein weiteres Mal zugunsten der fossilen Energien beeinflussen. Wie jüngst eine Studie
für das Bundeswirtschaftsministerium zum wiederholten Male eindrücklich erläutert hat, wirken derartige Kapazitätsmärkte wie Subventionen für alte Kraftwerke: Statt an der Börse endlich die notwendigen Preissignale für eine zukunftsgewandte Energieversorgung zu ermöglichen, würden die erneuerbaren Energien erneut behindert – und das alles nur, weil Opa Kohle am Steuergeld-Tropf hängt und gegen den frischen Wind der Energie-Enkel stänkert. Schade nur, dass die jungen dynamischen Energie-Unternehmer noch nicht erforscht haben, wie sich aus Gegenwind Energie gewinnen lässt. Aktuell sieht das aus wie eine nie versiegende Quelle.

Fernsehtipp: Bekannt im Land

SWR / RLP: am Sonntag, 27. Juli 2014, um 18:45 Uhr

Vom Westerwald in die Welt – Raiffeisens Erbe(n)

Für japanische oder amerikanische Touristen gehört ein Besuch seiner Wirkungsstätten zu jeder Deutschlandreise. Denn im Ausland ist er fast so bekannt wie die Loreley: Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der Sozialreformer aus dem Westerwald.

Die Redakteurin Jutta Kastenholz hat unter anderem mit VertreterInnen der Maxwäll-Energie Genossenschaft gesprochen, um zu zeigen, welche Zukunft die Raiffeisen-Idee auch hat.

Genossenschaften – Geld anlegen und mitbestimmen: Interview mit Michael Sladek, EWS Schönau

Quelle: ecoreporter

 

Michel Sladek ist einer der Köpfe hinter den „Stromrebellen“ der Elektrizitätswerke (EWS) Schönau eG. / Quelle: Unternehmen

 

Als ob Asterix und Obelix in der deutschen Stromwirtschaft zum Leben erweckt wären: Das ganze Land wird in den achtziger und neunziger Jahren von den Stromriesen mit ihren Atom- und Kohlekraftwerken und Leitungen beherrscht. Das ganze Land? Nein, die Bürger der kleinen Schwarzwald-Stadt Schönau wollen nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 nicht mehr mitmachen. Sie gründen die Netzkauf Elektrizitätswerke (EWS) Schönau eG, kaufen 1997 erst das Stromnetz in ihrem Ort, später bieten sie bundesweit grünen Strom an. Mittlerweile versorgen Sie mehr als 155.000 Privathaushalte, Gewerbebetriebe und Industrie-Unternehmen mit sauberem Strom. Auch grünes Gas hat die EWS im Angebot, und sie betreibt eigene Erneuerbare-Energien-Kraftwerke.

Bundespräsident Joachim Gauck verlieh der EWS-Mitgründerin und Vorstandsfrau Ursula Sladek im Oktober 2013 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ihr Mann, der Arzt Michael Sladek, ist ebenfalls im Vorstand der EWS. Im Interview erläutert er, warum die EWS Geld von Anlegern brauchte und warum dieses Geld eine ganz andere Wirkung hat als das Kapital, das im üblichen Weltkreislauf der Finanzen pulsiert.

Lesen Sie das ganze Interview hier

 

Energiewende soll „von unten“ kommen

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Montag, 24. März 2014, Seite 6

Messe „New Energy Husum“
Branche bleibt weiter optimistisch – Eigenverbrauch als Schlüssel
Von Wolfgang Runge

Husum. Erneuerbare Energien haben in Deutschland schon bessere Zeiten erlebt. Derzeit beabsichtigt die Bundesregierung, mit einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes den Bau von Wind- und Solaranlagen zurückzufahren. Scharfer Gegenwind für die internationale Messe „New Energy Husum“ – in diesem Jahr blieben rund ein Drittel der erwarteten Aussteller weg.
Die 206 Anlagenhersteller, Zulieferer und Ausrüster, die kamen, sind jedoch optimistisch. Sie hoffen, dass erneuerbare Energien sich zunehmend auch ohne staatliche Unterstützung rechnen. „Die Energiewende kommt von unten“, sagt Messe-Chef Peter Becker. Ein trotziges Motto, das auch den Eingang zur Messe ziert.
Professor Volker Quaschning, Experte für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin, beklagt den Einfluss der großen Energiekonzerne. „Hatten wir 2012 noch über sieben Gigawatt Zubau bei der Fotovoltaik, hat sich der im vergangenen Jahr halbiert auf 3,3 Gigawatt.“ Dabei seien 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland verloren gegangen. „Das sind mehr, als im Braunkohlebergbau in Deutschland insgesamt existieren“, betont Quaschning.
Er sieht bei den Energiekonzernen „kein wirkliches Engagement im regenerativen Bereich“. Mit ihrer Strategie hätten sie deren Ausbau verschlafen und „komplett auf die falschen Kraftwerke gesetzt – auf Kohle- und Atomkraftwerke“, sagt Quaschning. „Lediglich 5 Prozent der regenerativen Energieanlagen befinden sich in der Hand der großen Energieversorger.“ Mehr als die Hälfte der erneuerbaren Energien ist demnach im Privatbesitz der Bevölkerung.

Und für die wird der Eigenverbrauch des selbst produzierten Ökostroms immer sinnvoller, sind sich Experten einig. Denn dieser kostet je nach Anlage 8 bis 12 Cent pro Kilowattstunde, sagt Stefan Ebert von der Firma EWS. Speist man seinen Strom ins Netz, hat man bei der heutigen Vergütung im Schnitt einen Gewinn von 1 Cent – „also quasi nur eine Aufwandsentschädigung für das Investitionsrisiko“, rechnet Ebert vor: „Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage errechnet sich heute also nicht nur über den Ertrag, sondern vor allem über den Anteil des selbst verbrauchten Stroms.“ Wenn ein Privathaushalt seinen günstig selbst produzierten Strom auch selbst verbraucht, spart das derzeit rund die Hälfte der Stromkosten.
Zum Ärger Quaschnings wolle die Bundesregierung dies mit absurden Regelungen behindern. So sollten private Ökostromproduzenten eine Abgabe zahlen, wenn sie ihren Wind- oder Solarstrom verbrauchen. Der Eigenverbrauch in Kern- und Kohlekraftwerken bleibe aber weiterhin abgabefrei. Quaschning bleibt aber optimistisch. Denn bei weiter steigenden Energiepreisen werde es finanziell immer interessanter, sich eine Solaranlage aufs Dach oder ein Windrad in den Garten zu stellen.

 

Werden Elektroautos ein Erfolg?

In Norwegen verkauft sich der Elektrosportwagen Tesla seit über einem halben Jahr besser als der VW-Golf. Er ist zurzeit das meist gekaufte Auto in Norwegen. Der Tesla S ist so begehrt, dass Norweger für einen gebrauchten Tesla mehr Geld ausgeben als für Neuwagen.

Die Wartezeit für einen Neuwagen beträgt fünf Monate. „Die Nachfrage ist extrem“, sagt Joar Tenfjord, Tesla-Händler in Bergen. Auch in den USA ist die Nachfrage nach dem schicken E-Auto aus Kalifornien groß. In den ersten zwei Monaten 2014 wurden dort 14.000 verkauft.

Ein solcher Erfolg geht auch an der Börse nicht spurlos vorüber: Die Tesla-Aktie boomt zurzeit wie die von Apple. Analysten gehen davon aus, dass 2025 Tesla zwei Drittel aller E-Autos weltweit produzieren und verkaufen werde. Und wo bleiben die deutschen Autobauer?

Es sei einfach über Elektro-Autos zu reden, aber ganz schwierig, sie zu bauen und auf den Markt zu bringen, erklärten in den letzten Tagen BMW- und VW-Bosse. Trotz aller Lippen- Bekenntnisse zur Elektromobilität sind in Deutschland die Elektroautos mehr Dekor, Reklame und Täuschung als Realität. Da wird viel angekündigt, aber wenig umgesetzt.

Kein Wunder: Die Reichweite des i3 von BMW beträgt 150 Kilometer und das Auto kostet 35.000 Euro. Ein Tesla hat eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern, ist allerdings auch doppelt so teuer. Aber dennoch erfolgreicher, denn er braucht kein Benzin und erneuerbarer Strom ist weit preisgünstiger als Benzin.

Langfristig, wahrscheinlich schon mittelfristig, werden auch deutsche Autobauer ernsthafter als heute E-Autos bauen müssen, wenn sie nicht vom Weltmarkt verschwinden wollen. Auch in Japan, Taiwan, Südkorea und in China ist die Entwicklung von E-Autos fortgeschrittener als hierzulande.

Deutschland und die EU haben sich das Ziel gesetzt, bis 2050 mindestens 80% weniger CO2 zu emittieren als noch 1990. Es wird aber keine Energiewende geben ohne eine Verkehrswende, die diesen Namen verdient.

Im ganzen Jahr 2013 wurden jedoch in Deutschland nur 408  i3-Autos von BMW verkauft. Deutschland ist im Bereich zukünftiger Mobilität noch Entwicklungsland. Die hiesigen Autobauer verschlafen zurzeit die Verkehrswende so ähnlich wie die alten Energieversorger die Energiewende verschlafen haben. Die Entwicklung in Norwegen kann überall kommen.

Übrigens: das erste Elektroauto fuhr in Deutschland Werner von Siemens im Jahr 1896.

Wasserstoff – der Energiespeicher für eine erfolgreiche Energiewende

„Die Energiewende kann nur mit der Integration von Wasserstoff und Brennstoffzelle gelingen; ohne Lösung der Speicherproblematik, für die Wasserstoff die beste Lösung bietet, erschöpft sich die Energiewende in einer bloßen Stromwende,“ so der DWV e.V. in seinem aktuellen Positionspapier.

Nur die stringente Koordination aller Komponenten – der Netze und der Speicher – verbunden mit der Integration von Strom und Gas, Wärme und Mobilität in einem ganzheitlich gedachten Energiesystem werde zum Erfolg führen.

Speicher machen erneuerbare Energien grundlastfähig

Im Jahr 2010 wurden 150 Mio. kWh an erzeugter Windenergie nicht genutzt, was dem Bedarf von ca. 40.000 Haushalten entspricht. Um die Schwankungen bei der Energieerzeugung aus- bzw. an den Bedarf anzugleichen, werden chemische Speicher benötigt, die die Vorratshaltung von mehreren TWh erlauben.

Wasserstoff als Energiespeicher – „Power to Hydrogen“

Wasserstoff ist aufgrund seiner Kompatibilität mit der bestehenden Infrastruktur und aufgrund seiner vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten optimal als Großspeicher geeignet. Entsprechende Kavernen und Gasleitungen sind in Norddeutschland bereits verfügbar, also dort, wo erneuerbare Energiepotenziale am wirtschaftlichsten nutzbar gemacht werden können.

Markteinführungsprogramm für ‚Power to Hydrogen‘ gefordert

Um die Potenziale von Wasserstoff und Brennstoffzelle zu heben, braucht es laut DWV Investitionen und ein Förderprogramm, das zeitlich und im Volumen begrenzt sein kann. Ferner sollte „grüner“ Wasserstoff auf die Biokraftstoffquote und ab 2015 auch auf die Treibhausgasminderungsquote mit dem Vierfachen seines Energiegehalts (4fach-Counting) angerechnet werden, um die Marktdurchdringung für erneuerbares Gas in einem reinen Wasserstoffpfad als Beimischung zu Erdgaskraftstoffen und auch den Einsatz im Raffinerieprozess für konventionelle Kraftstoffe zu ermöglichen.

Anerkennung von „Power to Hydrogen“-Anlagen als Nicht-Letztverbraucher

Laut DWV ist es nicht nachvollziehbar, warum Anlagen, die das EEG-System entlasten und zur Kostendämpfung beitragen, Abgaben zahlen sollen. Durch die vielseitige Anwendbarkeit des Wasserstoffs (auch als Kraftstoff oder Chemie-Rohstoff) können Verluste oder erhöhte Kosten an anderer Stelle in einer Mischkalkulation ausgeglichen werden. Erneuerbarer Wasserstoff kann dadurch schrittweise und finanzierbar in neue Märkte integriert werden und helfen, die Energiewende bezahlbar und sozialverträglich umzusetzen.

Das Nationale Innovationsprogramm (NIP) muss ausgebaut werden

„Wirtschaft und Industrie brauchen Planungssicherheit“, so der DWV. „Die öffentliche Hand muss finanzielle Impulse geben und damit für Motivation sorgen, Grundvoraussetzung für eine breite Einführung der Wasserstofftechnologie.“ Nicht zuletzt ginge es auch darum, die Technologieführerschaft Deutschlands und den Wirtschaftsstandort zu sichern.

Auch die Elektromobilität braucht Wasserstoff und Brennstoffzelle Nur Brennstoffzellen-PKW erlauben lange Reichweiten mit akzeptablen Betankungszeiten. Die Infrastruktur für den Fahrzeugsektor gilt als Wegbereiter einer später breit genutzten Wasserstoff-(Speicher)-Infrastruktur. Je schneller die Wasserstoff-Mobilität Realität wird, umso schneller trägt „grüner“ Wasserstoff zu Versorgungs- und Kostensicherheit im Stromsektor bei.

Schon heute beweisen sich weitere technische Anwendungen von Wasserstoff und Brennstoffzelle im Markt wie z.B. die Hausenergieversorgung mit Kraft-Wärme-Kopplung und die Nutzung der Brennstoffzelle im Brandschutz.

Fazit: Wasserstoff und Brennstoffzelle machen die Energiewende erfolgreicher.