Wissenschaftler stärken Bürgerbeteiligung an der Energiewende

Start der Forschungsinitiative zum gesellschafts- und umweltverträglichen Umbau des Energiesystems / Wanka: „Wir brauchen tragfähige Lösungen“

 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bietet beim Netzausbau an, zwischen der Stromwirtschaft und betroffenen Bürgerinnen und Bürgern unabhängig moderierte und von der Wissenschaft begleitete Bürgergespräche zu organisieren. „Wir sind bereit, konkrete Projekte dazu beispielhaft zu fördern“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung der neuen Forschungsinitiative zum gesellschafts- und umweltverträglichen Umbau des Energiesystems. Dabei werden 33 Verbünde mit insgesamt 100 Partnern an den Start gehen, die vom BMBF mit insgesamt 30 Millionen Euro gefördert werden. Gut zwei Drittel der Forschungsprojekte beschäftigen sich mit Formen und Methoden, die Bürger stärker in die Entscheidungen zur Energiewende einbeziehen.

„Für die große Aufgabe der Energiewende brauchen wir tragfähige und von allen akzeptierte Lösungen vor Ort. Die Wissenschaft kann als neutraler Makler helfen, den Dialog zwischen Bürgern, Wirtschaft, Planern und Entscheidungsträgern zu fördern. Bürgerinnen und Bürger müssen dabei sicher sein können, dass sie frühzeitig einbezogen werden und ihre Argumente in die Entscheidungen einfließen“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Dafür sei der laufende Ausbau der Stromnetze ein gutes Beispiel.

Der aktuell gestartete Förderschwerpunkt stellt insgesamt drei Forschungsthemen in den Mittelpunkt. Neben dem Schwerpunkt der Analyse und Bewertung von gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Akzeptanz der Energiewende und Entwicklung neuer Strategien zur Bürgerbeteiligung wird als zweites Thema der Netzausbau, die Regionalisierung und Dezentralisierung der Energieerzeugung und -versorgung aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive betrachtet. Zum dritten werden neue Geschäftsmodelle für die Energieversorgung auf lokaler und regionaler Ebene erprobt. Das Spektrum reicht von Ideen, wie Bürgerinnen und Bürger zu Miteigentümern von Stromnetzen werden über die Frage, wie stromsparende Geräte schneller in die Haushalte kommen bis hin zu Konzepten, steigende Energiepreise gerecht zu verteilen.

Die 33 Projekte wurden aus insgesamt 150 eingereichten Vorschlägen ausgewählt. „Das zeigt: Wir haben mit diesem fächerübergreifenden Thema den Nerv getroffen“, sagte Wanka. Die beteiligten Hochschulinstitute und außeruniversitären Forschungseinrichtungen decken ein breites wissenschaftliches Spektrum ab. Vertreten sind sowohl Wirtschafts-, Sozial-, Klima-, Energie- und Umweltwissenschaften sowie die Rechts-, Kommunikations-, Kultur- und Raumwissenschaften, als auch die Ingenieur- und Naturwissenschaften, die Philosophie und Stadtforschung. In der Regel arbeiten etwa zwei bis vier Institute interdisziplinär zusammen und beziehen dabei Kommunen, Stadtwerke, Energie- und Kommunikationsagenturen als Praxispartner mit ein.


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Erhebliche Zweifel, ob das wirklich ein Sieg ist

MdL Neuhof sieht eine vertane Chance

 – Kreis Altenkirchen – „Die Bündnisgrünen vor Ort haben sich immer für einen umfassenden und großflächigen Naturschutz auf dem Stegskopf eingesetzt und gleichzeitig eine intensive Prüfung einer wirtschaftlichen Nutzung, auch durch Windenergie, unterstützt“, kommentierte Anna Neuhof, „grüne“ MdL aus dem Kreis Altenkirchen, die Entscheidung, den Stegskopf zum Nationalen Naturerbe zu erklären. Diese Möglichkeit sei nun ohne Prüfung vom Tisch. „Klimaschutz ist Naturschutz, die Nutzung erneuerbarer Energien ist ein wichtiger Teil neben Einsparung und Effektivität bei der Nutzung von Energie. Es gibt keine ernsthaften wissenschaftlichen Widersprüche, dass die globalen Klimaveränderungen kaum noch zu stoppen sind. Eines der windhöffigsten Gebiete in Rheinland-Pfalz ganz und ohne ernsthafte Prüfung als Mischgebiet – Naturschutz und Energieerzeugung – ganz aufzugeben: ob das wirklich ein Sieg ist, erhebliche Zweifel drängen sich auf“, sagte Neuhof, Fraktionssprecherin für Waldpolitik, Tierschutz und ländliche Räume.

Eine Mischnutzung auf dem Stegskopf, das sinnvolle Zusammengehen von Ökologie und Ökonomie verankert in der Region – die einsame Entscheidung in Berlin habe hier ohne jedwede Rücksprache auf Landesebene, mit der SGD Nord oder den betroffenen Kreisen, von den Kommunen ganz zu schweigen alle Pläne zunichte gemacht. „Es sind viele Fragen offen. Noch vor wenigen Wochen waren dieFlächen zur Pacht angeboten und die Genossenschaften ermutigt worden, tätig zu werden.“ Die SGD Nord habe intensive Planungen getätigt, ein Naturschutzgebiet auszuweisen.

„Vom Tisch sind damit auch die Planungen der Energiegenossenschaften, zusammen mit den Bürgern und den ansässigen Ortsgemeinden der VG Daaden regionale Wertschöpfung zu generieren und ein wirkliches Projekt ,Energie in Bürgerhand‘ umzusetzen. Da sind nicht nur Träume geplatzt, da ist auch einem ganz konkreten Vorhaben mit einem Pinselstrich das ,Aus‘ beschert worden. Es hätte ein vorbildliches Projekt werden können“, erläuterte Neuhof weiter.

Falls im Prüfverfahren eine Nutzung durch Windkraft möglich geworden wäre, ein Teil der erwirtschafteten Erträge hätte dem Naturschutz auf dem Stegskopf zu Gute kommen können. Die einzigartigen Naturflächen auf dem Stegskopf erhielten sich nicht von alleine, ohne extensive Bewirtschaftung, Beweidung und andere Maßnahmen verbuschten die wertvollen Freiflächen. Neuhof: „Für Harry Neumann scheint das kein Problem zu sein, denn die Kosten seien übersichtlich, 30 000 Euro pro Jahr wurden genannt. Nur, wer bezahlt das. Das durchaus bemerkenswerte Natur- und Kulturkonzept des BUND zeigt ebenfalls keine Finanzierungsmöglichkeiten auf. Wir gönnen den Naturschutzverbänden ihre Freude über diese Entscheidung. Sie stehen jetzt in der Pflicht ein tragbares, finanzierbares Konzept zu entwickeln.“

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Montag, 10. Februar 2014, Seite 12

Planer bleiben optimistisch

Quelle: Siegener Zeitung / Altenkirchen

Windparks im AK-Land
Kreis Altenkirchen. Trotz der Ankündigung aus Berlin, dass die Förderung für Windenergieanlagen gekürzt werden soll, bleiben die Projektplaner optimistisch.

damo – Auch wenn seine Intention eine andere ist: Derzeit spricht einiges dafür, dass Umweltminister Sigmar Gabriel Einfluss auf die Windkraft-Debatte im Kreis AK nehmen wird. Der Berliner Rotstift soll auch den Ausbau der Windkraft im Binnenland berühren. Und genau dieser Aspekt könnte für das AK-Land weitreichende Folgen haben.

Noch bleiben die Planer aber optimistisch. Für den Projektentwickler Juwi, der ein Auge auf den Giebelwald geworfen hat,  betonte Pressesprecher Michael Löhr: „Wir halten zu 100 Prozent an unseren Plänen fest.“ Man setze darauf, dass „sich die Vernunft durchsetzt“. Denn „grundsätzlich ist eine große Mehrheit der Bevölkerung für die Energiewende“. Entscheidend sei jetzt die „genaue Ausformulierung der Pläne Gabriels“, denn noch sei vieles offen.

Fast gleichlautend fällt die Antwort von Günter Knautz von der Wäller Energiegenossenschaft aus. „Aus dem, was gesprochen wird, ist noch gar nichts Konkretes zu packen. Im Moment besteht kein Anlass, unsere Vorhaben anders zu bewerten als bisher.“

Peter Müller berichtete, die Genossenschaft „Maxwäll“ halte  an ihren Plänen fest, allerdings müsse man in Verträgen eine Vorbehaltsklausel einbauen. Was ihn aber auf die Palme bringt: „Es ist völlig unverständlich, dass man mit Blick auf die Kostenersparnis  Offshore-Windparks ausbauen und im Binnenland kürzen will.“

 

„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“

Unser Mitglied Manfred Müller macht aufmerksam auf ein Buch und
weist  auf ein Seminar dazu hin: Mi. 12.03.2014, 20.00 – 21.30 Uhr ( Marienberger Seminare)

„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“
ein Buch von Claus Leggewie und Harald Welzer

Unser jetziger komfortabler Lebensstil beruht zu 80 Prozent auf der Verbrennung fossiler Energieträger; und das ließe sich in keiner Hinsicht länger aufrechterhalten. Zwangsläufig müsse sich ein anderer Lebensstil entwickeln, mit radikal veränderten sozialen, politischen und kulturellen Strukturen, so Claus Leggewie und Harald Welzer in ihrem Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“.

Mit Blick auf die notwendige Krisenbewältigung, so ihre Meinung, ist eine verstärkte demokratische Teilhabe der Bürger kein Luxus, sondern eine notwendige Bedingung, zumal der Klimawandel noch viel tiefgreifender ausfallen wird als bislang vermutet. Sie blicken auf Phänomene wie Temperaturanstieg, Dürren und Überflutungen und fragen sich nach deren Auswirkungen auf zukünftige Sozial- und Kulturverhältnisse. Der nötige Umbauprozess der Gesellschaft soll letztlich von einer politisch hoch- motivierten, aktiven Zivilgesellschaft getragen werden.

 

Infokampagne zur Strompreislüge

Kampagne zur Strompreislüge

Die Gegner der Energiewende blasen zum Angriff auf die erneuerbaren Energien und auf das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Mit verzerrten Kostenargumenten machen sie gegen die Energiewende Stimmung, denn: Dezentrale Strukturen und Bürgerbeteiligung stören die althergebrachte, zentral organisierte Energieversorgung und schmälern die Gewinne der großen Energiekonzerne.

Die Bundesregierung lamentiert über hohe Strompreise, unterstützt aber gleichzeitig die ungerechte und unsoziale Umverteilung der Energiekosten: Großverbraucher in der Industrie werden von den Kosten der Energiewende befreit. Privatkunden und kleinere Unternehmen müssen nicht nur die volle Last tragen, sondern auch die Befreiungen und Vergünstigungen der Industrie auffangen.

Ziel der gemeinsamen Kampagne von Energieriesen und Bundesregierung ist es, den Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien zugunsten der alten zentralen Großstrukturen zu stoppen und damit eine Steilvorlage zur Rücknahme des Atomausstiegs zu liefern.

Das werden wir nicht zulassen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir den Ausstieg aus den Erneuerbaren und den Wiedereinstieg in die Atomkraft verhindern. Deshalb haben wir diese Info-Kampagne gestartet und bieten Ihnen ein Paket mit Flyern zur Strompreislüge. In unserem neuen Faltblatt widerlegen wir kurz und knackig die Lügen von Politikern und Energiekonzernen.

 

 

Klar-Folien setzt künftig auf eigene Energie

Quelle: Westerwälder Zeitung vom Montag, 2. Dezember 2013, Seite 9

Wirtschaft
Dernbacher Unternehmen ist unabhängig von Stromanbietern – Sonnenenergie wird übers Jahr gespeichert
Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Dernbach. Der Dernbacher Folienhersteller Klar geht in der Energieversorgung ganz neue Wege und hat jetzt in eine innovative Energie-Anlage investiert, die Modellcharakter für andere Westerwälder Mittelständler haben könnte. Das Familienunternehmen wird ab 2014 völlig energieautark und ist damit unabhängig von jeglichen Stromanbietern. Denn die Westerwälder Firma produziert nicht nur den Strom, den sie tagtäglich benötigt, dank einer Fotovoltaikanlage selbst, sondern sie wird die Sonnenenergie mittels neuester Technik künftig auch über einen langen Zeitraum speichern können. Im März kommenden Jahres soll die High-Tech-Anlage des Auricher Herstellers Mossau Energy in Betrieb gehen.

Bereits jetzt wurde das Herzstück der Anlage, ein elf Meter langer Wasserstofftank, mit Hilfe eines schweren Spezialkrans auf das Firmengelände in Dernbach gehievt. „Die Anlage ist in ihrer Art nicht nur einmalig im Westerwaldkreis, sondern in ganz Deutschland“, betont Wolfgang Klar, der das Projekt als technischer Berater der drei Firmenchefs Diethelm Klar (Klar Folien), Markus Klar (Markus Klar Folien) und Hendrik Klar (FVG) seit gut zwei Jahren betreut. „Unser Ziel ist es, unabhängig von Anbietern wie der Kevag zu werden. Wir können unseren Strom allein erzeugen und speichern“, betont Klar.

Doch es geht dem Mittelständler nicht nur darum, unabhängig von der Strompreisentwicklung zu sein und damit Energiepreise und Betriebskosten langfristig überschaubar zu halten, sondern es steckt auch eine gute Portion Idealismus dahinter. „Den endgültigen Ausschlag für diese Investition haben der Reaktorunfall von Fukushima im Jahr 2011 und der Atomausstieg gegeben“, erläutert der Berater. „Wir wollten nicht auf die Politik warten. Wir machen unsere eigene Energiewende“, betont er.

Unspektakulär sieht der 20-Kubikmeter-Tank auf der Ladefläche des Mehrtonners aus, der künftig die Energiewende bei Klar Folien möglich macht. Der Tank speichert übers Jahr Sonnenenergie in Form von Wasserstoff.

Viele Mittelständler, so der Berater, verfolgen das Energiethema derzeit mit großem Interesse und suchen nach Lösungen für ihren Betrieb. „Wir wissen nicht, wie sich die Strompreise in Zukunft entwickeln werden. Nur eines ist klar: Sinken werden die Preise nicht“, betont der Unternehmer. Auch wenn sich die Investition in Höhe von mehreren hunderttausend Euro, das genaue Volumen nannte Klar nicht, jetzt noch nicht betriebswirtschaftlich rechne. „Auf lange Sicht wird es sich lohnen“, ist Klar sicher.

Der Folien-Hersteller beschäftigt sich schon seit langem mit der umweltfreundlichen Nutzung der Sonnenenergie. Schließlich vertreibt und konfektioniert das Unternehmen selbst Folien, die in Fotovoltaikzellen eingelassen sind. Bereits vor zwei Jahren hat das Unternehmen auf dem Firmendach eine rund 1.000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage mit 950 Modulen und einer Jahresleistung von 90.000 bis 100.000 Kilowattstunden installiert. Damit produziert die Firma vier Mal so viel Strom wie sie im Jahr selbst verbraucht.

Bislang kann der Folienhersteller die selbst produzierte Energie nur mittels einer Batterie für maximal zwei Tage zwischenspeichern. „Damit können wir die Nächte oder sonnenärmere Tagesabschnitte überbrücken“, erläutert Klar. Mit Hilfe der neuen Technik eröffnen sich aber ganz neue Dimensionen. Unter Einsatz der Sonnenergie wird Wasser in einem Elektrolyseverfahren in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Energieträger Wasserstoff wird dann unter hohem Druck in den 20-Kubikmeter-Tank auf dem Firmengelände gepresst und dort gespeichert.

Bei Bedarf wird der gesamte chemische Prozess in den Brennstoffzellen, die sich in Schaltschränken der Lagerhalle befinden, umgekehrt. Dadurch entstehen wieder Wasser und elektrische Energie. „Mit dieser saisonalen Speicherung per Wasserstoff können wir den Winter überbrücken und müssen keinen Strom dazukaufen“, sagt Klar zufrieden. „Für Gewerbebetriebe in unserer Größenordnung gab es eine solche technische Lösung bislang nicht“, sagt er. Westerwälder Unternehmern bietet Klar an: „Wer sich über die Anlage informieren möchte, ist herzlich willkommen.“

Koalitionsvertrag: Erneuerbaren-Verbände üben harsche Kritik

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

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8.11.2013: Mit dem Koalitionsvertrag ist es wie mit jedem Vertrag: Nicht die Überschriften, sondern die Details und das Kleingedruckte machen den Inhalt aus. Zwar „bekennen“ sich Union und SPD am Anfang des Energiekapitels zur Energiewende. Doch wird diese bei Einhaltung des dann folgenden Textes zweifellos zäher und langsamer vonstattengehen als bisher. Kernpunkte wie ein „gesetzlich festgelegte Ausbaukorridor“ für Erneuerbare Energien (demnach soll der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien gedeckelt werden auf 40 bis 45 Prozent im Jahre 2025 bzw. 55 bis 60 Prozent im Jahr 2035) oder das Fehlen von konkreten Maßnahmen für den Ausbau von Erneuerbaren Energien im Wärmesektor lassen bei den Verbänden der Erneuerbaren Energien die Alarmglocken schrillen: Sollte der vorgestellte Ausbaukorridor politischer Rahmen werden und Kohlekraftwerke übernähmen den Rest der Versorgung, so fiele die Energie- und Klimapolitik der nächsten vier Jahre hinter das Niveau von Vor-Fukushima-Zeiten zurück, rechnet etwa der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) vor. Eine „Energiewende“ stelle sich die Branche der Erneuerbaren Energien anders vor. Das Fazit des BEE-Präsidenten Fritz Brickwedde: „Die große Koalition tritt bei der Energiewende auf die Bremse.“

Mehr lesen:

Union, SPD: Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. 18. Legislaturperiode. 27.11.2013.

BEE-Pressemitteilung: Große Koalition tritt bei Energiewende auf die Bremse. 27.11.2013

Konversion Auf dem Stegskopf sollen sich bald Rotoren drehen.

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Samstag, 30. November 2013, Seite 12

Leserbrief

„Eine der windreichsten Gegenden“

Spätestens seit Fukushima ist die Energiewende in der Bundesrepublik beschlossene Sache, und das ist gut so. Die Energiewende kommt und mit ihr natürlich auch Windkraftanlagen im Westerwald. Ja, Windkraftanlagen beeinträchtigen unbestritten das Landschaftsbild des hohen Westerwaldes. Diese Erkenntnis ist aber nicht neu. Schließlich blicken wir seit nunmehr 20 Jahren auf die quer über den Westerwald verteilten Anlagen. Haben wir uns nicht mittlerweile an deren Anblick gewöhnt? Zugegeben, die Ausmaße der heutigen Windkraftanlagen sind in keiner Weise mit den Anlagen der ersten Generation vergleichbar. Unsere Autos waren vor 20 Jahren aber auch noch kleiner und die Verkehrsdichte wesentlich entspannter. Fahren wir deshalb weniger? Sind zentrale Großkraftwerke etwa die Alternative? Wohl kaum! Nicht vorstellbar, wäre das in den siebziger Jahren geplante Kohlekraftwerk tatsächlich in Weitefeld gebaut worden. Aber auch in diesem Kraftwerk wäre die Energie erzeugt worden, um die Lichter weit über die Grenzen des Daadener Landes hinaus nicht ausgehen zu lassen. Den Ausführungen der Windkraftgegner folgend könnte man zu der Erkenntnis kommen, Kommunen und Interessenvertreter vor Ort hätten die Absicht, die gesamte Fläche des ehemaligen Truppenübungsplatzes mit Industrieflächen und einem Windpark zu belegen. Angst einflößende Fotomontagen mit einer Vielzahl hineinkopierter Windkraftanlagen gewaltigen Ausmaßes werden konstruiert. Von gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Windkraftanlagen ist sogar die Rede. Hier wird mit unsachlichen Argumenten schlicht und ergreifend Stimmung in der Bevölkerung erzeugt. Das oft und zu Recht herangezogene negative Beispiel Soonwald im Rhein-Hunsrück-Kreis mit mehr als 150 Anlagen darf und wird sich im Westerwald nicht wiederholen. Wir reden einerseits von einem einzigartigen und zweifelsfrei schützenswerten Teil unserer Heimat. Jeder, der den Stegskopf kennt oder in naher Zukunft kennenlernen wird, muss zu dieser Einschätzung kommen. Andererseits handelt es sich aber auch um eine der windreichsten Gegenden in Rheinland-Pfalz mit idealer Infrastruktur um dort Windkraftanlagen in Maßen zu platzieren. Wenn wir aus dem Atomzeitalter aussteigen wollen, müssen wir aufeinander zugehen können. Zum Nulltarif wird es eine Energiewende nicht geben. Aus diesem Grund nicht nur die Windkraft auf dem Stegskopf, sondern generell infrage zu stellen, ist falsch.

Martin Lenz, Friedewald