Haushalte reagieren auf steigende Verbraucherpreise – Rückläufige Zahlen beim Energieverbrauch und vermehrter Einsatz Erneuerbarer-Energien-Heizungen beim Neubau

Quelle: Presseerklärung von Agentur für Erneuerbare Energien

Berlin, 20. Februar 2013  |  Die Verbraucherpreise für Haushaltsenergie (Wärmerzeugung und Strom) haben sich im Januar 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,8 Prozent erhöht. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) heute im Rahmen seiner Veröffentlichung des Verbraucherpreisindexes mitgeteilt. Auf diese Verteuerung reagieren die Bundesbürger zunehmend, indem sie Energie im Haushalt einsparen. Neben den Kraftstoffen entfällt der größte Posten der privaten Energierechnung auf das Heizen. Hier lohnt es sich, statt fossiler Ressourcen Erneuerbare Energien für die Wärmeversorgung einzusetzen.

In Wohngebäuden entfallen etwa 82 Prozent der benötigten Energie auf Raumheizung und Warmwasserbereitung. Da Erdöl und Erdgas weiterhin den Wärmemarkt dominieren, schlagen sich besonders die seit Jahrzehnten steigenden Preise dieser Brennstoffe in den privaten Energierechnungen nieder. Musste ein Privathaushalt im Jahr 1991 für 100 Liter leichtes Heizöl noch rund 26 Euro zahlen, waren es im Jahr 2012 fast 88 Euro. Auch die Endverbraucherpreise für Erdgas und Fernwärme sind erheblich gestiegen. Weiterhin hat sich der Anteil der Ausgaben für Energien an den gesamten Konsumausgaben eines Privathaushaltes zwischen 2000 und 2011 von 6,4 auf 7,3 Prozent erhöht. „Der Löwenanteil geht auf die Wärmebereitstellung zurück“, betont Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

Haushalte sparen Energie
Aufgrund dieser Entwicklung haben die Bundesbürger begonnen, Energie einzusparen. Das geht aus den rückläufigen Zahlen zum Energieverbrauch der privaten Haushalte hervor, die das Statistische Bundesamt im Dezember veröffentlichte. Die temperaturbereinigten Daten für das Jahr 2011 zeigen, dass sich der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent verringert hat. Zwischen 2005 und 2011 ist er um insgesamt 10,3 Prozent gesunken. Insbesondere kam im Jahr 2011 ein Viertel weniger Mineralöl in privaten Haushalten zum Einsatz als noch 2005. Außerdem wurden 20 Prozent weniger Erdgas genutzt. „Grund für sinkende Verbräuche von Öl und Gas sind neben Dämmmaßnahmen auch der verstärkte Einsatz energieeffizienter Heizungstechnik auf Basis Erneuerbarer Energien“, erklärt Vohrer. So hat die Wärmeerzeugung aus Biomasse, Solarthermie und Geothermie nach aktuellen Angaben der AG Energiebilanzen im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent zugelegt.

Moderne Heizungsanlagen auf Basis regenerativer Quellen verringern den Energiebedarf von Privathaushalten
Besonders bei Neubauten gewinnt der Einsatz Erneuerbarer Energien an Bedeutung. Aus dem Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) geht hervor, dass in der Hälfte aller zwischen 2009 und 2011 errichteten Neubauten Wärmeerzeugungsanlagen auf Basis Erneuerbarer Energien eingesetzt wurden. Unter den dezentralen (nicht wärmenetzgebundenen) Technologien wurden am häufigsten Wärmepumpen verwendet (in 27 Prozent der Neubauten), gefolgt von Solarthermieanlagen (in etwa 20 Prozent der Neubauten) und von Anlagen zur Nutzung fester Biomasse, z.B. Holzpelletheizungen (in etwa 5 bis 7 Prozent der Neubauten). „Allerdings ist die Bedeutung des Neubausektors für den Gesamtbestand der Heizsysteme relativ gering, da hier nur niedrige Zubauraten zu verzeichnen sind“, bedauert Vohrer. Lediglich für die Technologien Wärmepumpe und zentrale Biomasseheizungen ist dieser Sektor relevanter. Im Jahr 2011 wurden etwa 60 Prozent der zugebauten Wärmepumpen und etwa ein Drittel der Biomasse-Zentralheizungen in neue Gebäude eingebaut. Bei Solarthermieanlagen wird derzeit nur rund jede siebte Anlage auf Neubauten errichtet.

Dennoch Sanierungsstau im Gebäudebestand
Den Hauptanteil des Gebäudesektors bildet allerdings der Bestand. Dort dominieren nach wie vor Heizungen auf Basis von Öl und Gas – auch weil das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz keine Nutzungspflicht für den Gebäudebestand vorsieht. Auch bei einer Sanierung ist der Umstieg auf eine erneuerbare und/oder effizientere Heizung nach Bundesrecht nicht zwingend vorgeschrieben. Momentan ist das Marktanreizprogramm das einzige bundesweite Förderinstrument, das Anreize für die Modernisierung des riesigen Bestandes der alten und ineffizienten Heizungen liefert. „Langfristige Planungs- und Investitionssicherheit für alle Wirtschaftsbeteiligten ist unerlässlich, wenn Treibhausgasemissionen und Brennstoffimporte vermieden werden sollen“, erklärt Vohrer. „Um bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen, bedarf es kontinuierlicher Anstrengungen, den Anteil der Erneuerbaren Energien zu erhöhen.“

Heizsysteme auf Basis Erneuerbarer Energien sind das Schwerpunktthema der Agentur für Erneuerbare Energien auf der diesjährigen ISH in Frankfurt. Die Leistungsschau für innovatives Bad-Design, energieeffiziente Heizungs- und Klimatechnik und Erneuerbare Energien findet vom 12. bis zum 16. März 2013 statt. Den Messestand der Agentur für Erneuerbare Energien finden Besucher in der Galleria 0, Stand H 11.

Die komplette Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.
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Gerne können Sie das Schreiben weitergeben.

 

Kontakt:
Agentur für Erneuerbare Energien
Alena Müller, Pressereferentin  |  Tel: 030-200535-45  |  Fax: 030-200535-51
Mail: a.mueller@unendlich-viel-energie.de
www.unendlich-viel-energie.de

Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation

Quelle:
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)

aus dem Hauptgutachten 2011:

Ein neuer Gesellschaftsvertrag
Die aktuellen Demokratiebewegungen in der arabischen Welt und der Fall der Berliner Mauer sind Belege aus der jüngeren Geschichte für die Kraft und Dynamik transformativer Prozesse. Für den Übergang zur Nachhaltigkeit lassen sich aus diesen Umbrüchen mehrere Lehren ziehen:
Zunächst, unhaltbare Zustände können auf dramatische Weise kollabieren. Ferner sind die Kräfte der Transformation oft lange unter der Oberfläche verborgen. Dies zeigt sich heute nicht zuletzt beim messbaren globalen Wertewandel in Richtung Nachhaltigkeit.
Schließlich enthüllt der Zusammenbruch von auf Extraktion von Öl und Gas gestützten Diktaturen (Sowjetunion, Libyen) zugleich die versteckten Kosten des „fossilen“ industriellen Metabolismus.
Das kohlenstoffbasierte Weltwirtschaftsmodell ist auch ein normativ unhaltbarer Zustand, denn es gefährdet die Stabilität des Klimasystems und damit die Existenzgrundlagen künftiger Generationen. Die Transformation zur Klimaverträglichkeit ist daher moralisch ebenso geboten wie die Abschaffung der Sklaverei und die Ächtung der Kinderarbeit. Bereits seit geraumer Zeit befindet sich das fossile ökonomische System international im Umbruch […]

Die komplette Zusammenfassung des Gutachtens können Sie hier herunterladen.
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Ökonomin Kemfert wirft Gegnern der Energiewende Lügen vor

Quelle: WAZ

Berlin.  Die Ökonomin Claudia Kemfert wirft den Gegnern der Energiewende Lügen und Mythenbildung vor. „Kampf um Strom“ heißt ihr Buch. Die Ähnlichkeit mit „Kampf um Rom“ dürfte gewollt sein, und so geht es dabei ja auch zu. Ein Interview.

Ökonomin Kemfert wirft Gegnern der Energiewende Lügen vor
Ökonomin Claudia Kemfert verteidigt in ihrem Buch „Kampf um Strom“ die Energiewende.

 

Mit ihrem neuen Buch „Kampf um Strom“ will Prof. Claudia Kemfert, Leiterin der Energieabteilung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der „lauten und einflussreichen“ Lobby der Energiewende-Gegner entgegentreten und ihre Argumente entkräften. Der Ton der Wissenschaftlerin ist durchaus gereizt.

Frau Prof. Kemfert, haben Sie eine Streitschrift verfasst?

Claudia Kemfert: Mich ärgert, wie unsachlich die Debatte über die Energiewende verläuft. Ich befürworte die Wende, deswegen möchte ich den aberwitzigen Schlachtparolen der Energiewende-Gegner entgegentreten. Manche davon sind ja bereits zu Mythen geworden und verunsichern die Menschen. Dabei will die große Mehrheit das Ziel erreichen, bis 2050 80 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Bis dahin ist noch viel Zeit, aber die Entscheidungen fallen jetzt.

Der Strompreis an der Börse ist niedrig, doch der Verbraucher zahlt höhere Preise. Wieso?

Kemfert: Je niedriger der Börsenpreis ist, desto größer ist die Lücke zu den festen Vergütungssätzen, die die Erzeuger von Ökostrom erhalten. Diese Lücke muss die EEG-Umlage füllen. Es wäre allerdings leicht für die Konzerne, die niedrigen Börsenpreise an die Kunden weiterzugeben. Mit dem Sündenbock Ökoenergie lassen sich aber Gewinne machen. Das wird den Verbrauchern von der Politik nicht ausreichend erklärt.

Wo stehen wir bei der Energiewende?

Kemfert: Beim Ausbau sind wir schon weiter als geplant. Doch es gibt noch große Hürden. So hinkt der Netzausbau hinterher, wir brauchen mehr Speicher für Ökostrom und eine bessere Kooperation zwischen Bund und Ländern und in Europa. Anstatt diese Probleme anzugehen, wird nur von der EEG-Umlage geredet – eine Alibi-Diskussion, um die Energiewende abzuwürgen.

Kritiker sagen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das EEG, das dem Ökostrom Vorrang bei der Einspeisung in die Netze gewährt und eine feste Vergütung garantiert, muss weg. Ist das richtig?

Kemfert: Das ist falsch. Das EEG ist ein Erfolgsmodell. Über 60 Länder haben eine ähnliche Regelung eingeführt. Ich warne davor, das EEG abzuschaffen, die Investoren würden abspringen und die Energiewende käme zum Erliegen. Was wir brauchen ist ein marktfähiges System, das in der Übergangszeit das Nebeneinander von fossilen und erneuerbaren Energieträgern regelt. Der Markt regelt das nicht von allein.

Geht der Ausbau der Ökoenergie zu schnell voran?

Kemfert: Dass die Energiewende zu schnell geht, ist neben der Preislüge der zweite Mythos, der von den Gegnern verbreitet wird. Sie versuchen damit, die Wende zu torpedieren oder zu bremsen. Denn solange alte stillgelegte Kohlekraftwerke nicht durch erneuerbare Energien ersetzt werden können, müssen neue Kraftwerke gebaut werden. Die laufen dann aber 40 bis 60 Jahre. Sind sie erstmal am Netz, gibt es für einen Zubau von Ökoenergie keine Notwendigkeit mehr. Das aber ist nötig, und zwar schnell. Das Zeitfenster ist klein.

Wer sind die Gegner der Energiewende?

Kemfert: Viele Wirtschaftskräfte haben Interesse, den Status Quo zu bewahren. Dazu gehören Stromkonzerne – von denen einige allerdings schon sehr viel für die Energiewende tun – dazu gehören energieintensive Unternehmen. Außerdem gibt es rein ideologische Gegner. Konservative, denen alles Grüne suspekt ist oder Anhänger der FDP, die zwar in der Regierung ist, aber nicht hinter der Entscheidung zur Energiewende steht.

Was sind die Motive der Bremser?

Kemfert: Derzeit verdienen die Konzerne mit abgeschriebenen Kraftwerken viel Geld. Sie haben ein Interesse daran, dass sich der Bau von Kohlekraftwerken noch lange rentiert. Je schneller die Energiewende vorankommt, desto schneller brechen die Geschäftsmodelle weg.

Kann die Energiewende noch scheitern?

Kemfert: Diese Gefahr sehe ich. Das Management der Energiewende muss sich verbessern. Die Zuständigkeiten müssen gebündelt werden. Netzausbau, Speicher und die internationale Koordination sind weitere Themen. Wenn man diese Aufgaben nicht entschlossen angeht, haben die Energiewende-Gegner weiter ihr Spielfeld und schlimmstenfalls am Ende Erfolg.

von Christopher Onkelbach

 

1. Energiespeichertagung am Umwelt-Campus Birkenfeld

Termin speichern und anmelden:  27. und 28. Februar 2013  |  Kommunikationsgebäude

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bundesregierung hat sich mit der Energiewende ambitionierte Ziele gesetzt. Diese Ziele zu erreichen erfordert eine Umstrukturierung der derzeitigen Energieversorgung (sowohl im Strom- als auch im Wärmemarkt).
Wesentliche Faktoren in diesem Kontext sind die Erschließung von Effizienzpotenzialen in der Umwandlung, dem Transport und der Nutzung von Energie und vor allem der Ausbau erneuerbarer Energieträger.
Diese dezentrale Versorgung auf Basis fluktuierender und erneuerbarer Energieträger erfordert die Vernetzung des Strom- und Wärmemarktes sowie intelligente Netzstrukturen (Strom und Gas) und vor allem die Einbindung innovativer Energiespeichersysteme. Sie gelten als Schlüsseltechnologie im Kontext der Energiewende.

Aus diesem Grund veranstaltet das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am 27. und 28. Februar 2013 die
1. Energiespeichertagung am Umwelt-Campus Birkenfeld.

Die Veranstaltung wird durch den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und durch den Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz (GStB) unterstützt.

Die Energiespeichertagung dient dem qualifizierten Austausch von Erkenntnissen und Erfahrungen. Inhaltlich spannt die Tagung den Bogen von rechtlichen und technischen Grundlagen und Rahmenbedingungen, über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse bis hin zur praxiserprobten Ansätzen und richtungsweisenden innovativen Speicherkonzepten. Somit verbindet die Tagung Wissenschaft und Praxisorientierung und dient als Informations- und Netzwerkplattform für Vertreter aus Wissenschaft, Politik (Städte, Gemeinden, Landkreise), Wirtschaft (Projektentwickler) und kommunalen Unternehmen (Gemeinde- und Stadtwerke).

Fachausstellung:
Wir bieten Ihnen an, Ihr Unternehmen an der Energiespeichertagung zu präsentieren. Dazu gibt es die Gelegenheit, im Foyer und den Vorräumen der Tagungsräume Standflächen anzumieten. Unterlagen werden Ihnen bei Anfrage separat zugesendet.

Abendveranstaltung mit Live-Musik und Abendbuffet im Kommunikationsgebäude:
Die Abendveranstaltung lädt zum schwungvollen und genussreichen Ausklang des ersten Tages ein und dient dem Austausch zwischen Referenten und Teilnehmern. Die Abendveranstaltung mit Live-Musik und Abendbuffet mit regionalen Spezialitäten aus dem Hunsrück kostet für die Teilnehmer 50,00 Euro inkl. 19% MwSt.

Wir würden uns sehr freuen, Sie bei dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen und bitten Sie, diese Informationen auch in Ihrem Haus weiterzuleiten.
Weiterführende Informationen entnehmen Sie dem Tagungsflyer oder auf unserer Internetseite unter
www.stoffstrom.org/veranstaltungen.

Mit sonnigen Grüßen vom Umwelt-Campus
Ihr Institut für angewandtes Stoffstrommanagement

Hochschule Trier
Umwelt-Campus Birkenfeld
Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS)
Postfach 1380
55761 Birkenfeld
Ansprechpartner: Marc Wartenphul
Tel.: ++49 (0)6782 / 17-1568
Fax: ++49 (0)6782 / 17-1264
www.stoffstrom.org
m.wartenphul@umwelt-campus.de

Wann kommt die Revolution des E-Autos?

Quelle: Franz Alt

1980 gab es in den USA eine Umfrage des Gallup-Instituts. Die Frage hieß: Wie viele Mobil-Telefone wird es in Amerika in 20 Jahren geben? Die US-Amerikaner vermuteten im Durchschnitt: 900.000. Tatsächlich telefonierten in den USA im Jahr 2.000 bereits 120 Millionen Menschen mit Handys. Die technikgläubigen Amerikaner hatten sich um den Faktor 130 verschätzt.

Wird es beim Elektro-Auto eine ähnliche Entwicklung geben?

 

Wer in diesen Wochen liest und hört, was die hiesigen Medien über das Elektro-Auto veröffentlichen, muss vermuten, die Entwicklung sei bereits wieder abgeblasen oder zumindest zum Stocken gekommen.

Doch das Gegenteil könnte sich eher als richtig erweisen. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen in den nächsten Jahren – schon bis 2020 – hunderttausende Ladestationen für Elektroautos entstehen – allein 150.000 in Deutschland. Heute gibt es hierzulande erst 1.937. Kein Wunder, dass es noch kaum Elektroautos gibt.

Der Brüsseler Verkehrs-Kommissar Siim Kallas hat richtig erkannt: „Es fehlt an der Infrastruktur“. Außerdem soll der hierzulande gebräuchliche Ladestecker zum europäischen Standard werden.

Jetzt erst kann ein europäisches Netzwerk für die E-Mobilität entstehen. Und damit die Voraussetzung für den Erfolg des E-Autos. Der bisherige Markt kränkelte an der fehlenden Infrastruktur. Alle paar Kilometer gibt es eine Benzintankstelle, aber noch immer kaum Elektrotankmöglichkeiten.
Deshalb keine Nachfrage nach Elektroautos und deshalb bleibt der Preis für diese umweltfreundliche Mobilität hoch. Bisher tat auch die deutsche Automobilwirtschaft viel zu wenig, um diesen Missstand zu beheben.
Doch jetzt werden die Deutschen aufholen: Von BMW über Daimler, VW und Opel wird man bald preiswerte E-Autos kaufen können.

Die Revolution auf der Straße kann erst beginnen, wenn die notwendige Infrastruktur da ist. Kleinere und leistungsfähigere Batterien werden jetzt entwickelt und gebaut werden. Und deren Preise werden durch Massenproduktion fallen. Dann wird auch der unschlagbare Vorteil der E-Mobilität zum Durchbruch kommen: leise, sparsam, abgasfrei.

Ganz so rasch wie die Handys werden sich die E-Autos wohl nicht durchsetzen. Aber es wäre keine Überraschung, wenn aus der einen Million Elektroautos, welche die Bundesregierung bis 2020 auf deutschen Straßen fahren sehen will, tatsächlich zwei Millionen würden. Die Revolution auf Europas Straßen wird sich beschleunigen, wenn bald überall preiswerter Ökostrom zur Verfügung steht. Gut, dass die EU jetzt Druck macht.

Wie das alles finanziert werden soll? Allein durch geringere Öl-Importe lassen sich jedes Jahr Milliarden Euro einsparen. Wer heute schon elektrisch fährt, zahlt für den notwendigen Strom noch ein Fünftel dessen, was er fürs Benzin bezahlt.

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Kommentar von P. Müller:

Welche Entwicklung im Bereich der Individualmobilität gut und wünscheswert ist, wird unterschiedlich gesehen. Sicher ist, dass sich aus den politischen Vorgaben und Weichenstellungen auf EU und Bundesebene zwangsläufig ein deutlich steigender Stromverbrauch ergibt. Wenn Strom in diesem Bereich Erdöl nach und nach substituiert, kann dieser nur aus erneuerbaren Quellen produziert werden. Wenn diese Quellen in nicht unerheblichen Umfang aus der Windenergienutzung gespeist werden, sind z.B. die Planungsannahmen von Bund und Land für notwendige WEA Standorte neu zu bedenken und deutlich nach oben zu korrigieren.

 

 

Umstrittene Bürgschaften: Regierung will AKW-Bau im Ausland weiter fördern

Quelle: Spiegel online

Der beschlossene Atomausstieg der Regierung Merkel gilt nur fürs Inland. Im Ausland will die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen auch künftig den Bau von Atomkraftwerken unterstützen – mit Bürgschaften aus Steuergeldern.

 

Berlin – Die Bundesregierung will auch in Zukunft mit deutschen Steuergeldern für den Bau von Atomkraftwerken im Ausland bürgen. Das geht aus einem Schreiben an den Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung hervor, über das  DER SPIEGEL  in seiner neuen Ausgabe berichtet. Der Brief soll bald verschickt werden.

Baustelle des AKW Angra 3 (Brasilien): "Höchste Zeit, dass sich was ändert"Baustelle des AKW Angra 3 (Brasilien): „Höchste Zeit, dass sich was ändert!“

 

Das Gremium, das die Nachhaltigkeitsstrategie der Regierung parlamentarisch begleitet, hatte sich Ende 2012 einstimmig dafür ausgesprochen, angesichts des deutschen Atomausstiegs keine Hermes-Bürgschaften für Kernkraftwerkprojekte im Ausland mehr zu vergeben. Das Schreiben, das Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nun im Namen der Regierung verfasst hat, ist auch ein Affront gegen die Regierungsfraktionen. Man halte an der bisherigen Förderpraxis fest, heißt es darin nach SPIEGEL-Informationen, weil die Energiewende nur „die nukleare Stromerzeugung im Inland betrifft“. Es liege „in der souveränen Entscheidung anderer Staaten, zur Ausgestaltung ihrer Energiepolitik einen anderen Energiemix zu wählen.“

Die Bundesregierung hatte 2011 nach der Katastrophe von Fukushima den  Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Spätestens 2022 soll demnach der letzte deutsche Meiler vom Netz gehen. Acht ältere Atommeiler wurden mit dem damaligen Beschluss sofort stillgelegt.

In Brasilien wird ohne deutsche Bürgschaft gebaut

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Beirats, der CDU-Politiker Andreas Jung, bezeichnet es als „groben Widerspruch, bei uns die Energiewende voranzutreiben und im Ausland Kernenergie zu unterstützen“. Die Haltung der Regierung ist auch deshalb bemerkenswert, weil diese derzeit unter dem Motto „Höchste Zeit, dass sich was ändert“ massiv für die Energiewende wirbt.

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) will sogar einen internationalen Club der Energiewende-Staaten gründen. Auch die Industrie hat sich auf ein Ende der deutschen Förderpolitik eingestellt: Für das brasilianische Atomkraftwerk Angra 3, das ursprünglich mit einer Hermes-Bürgschaft abgesichert werden sollte, besorgte sich der Energieversorger inzwischen Geld in Südamerika.

 

Sind Genossenschaften das Wirtschaftsmodell der Zukunft?

Quelle: http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/alpha-campus/doku/genossenschaften-104.html  |  Autor: Andrea Roth, Stand: 09.01.2013

„Gut 18 Millionen Bundesbürger, als jeder Vierte!“, so die Bilanz des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes, „sind derzeit Mitglieder einer Genossenschaft.“

Den Film „Gewinn für alle – Sind Genossenschaften das Wirtschaftsmodell der Zukunft?“ als alpha-Campus DOKU gibt es hier: http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/alpha-campus/genossenschaften-102.html

Weltweit boomen die kooperativen Betriebe und tragen zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in vielen Ländern bei. Die UNO hat das Jahr 2012 zum Jahr der Genossenschaften ausgerufen, um auf diese Weise – in Zeiten einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu betonen, dass gemeinsames und verantwortungsvolles Engagement auf dem Wirtschaftsmarkt für nachhaltige Entwicklung wichtiger denn je sind. Dabei schien die Idee vom gemeinschaftlichen Einkaufen und Vermarkten, die der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen vor gut 160 Jahren ins Leben gerufen hatte, in Deutschland allmählich abzusterben. Genossenschaft – das roch nach verstaubten Sparkassenkästchen und muffigem Saatgut, wurde oft sogar mit dem „Genossen“ im DDR-Regime gleichgesetzt. Doch spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise sind sie wieder präsent – und erleben einen Gründungsboom ungeahnter Ausmaße. Allein den Kreditgenossenschaften schlossen sich zwischen 2008 und 2010 rund 466.000 neue Mitglieder an. Denn spätestens in der Finanzkrise haben die meisten erkannt, dass die genossenschaftlichen Banken, die nicht renditefixiert und spekulativ arbeiten, ein krisenfestes Modell sind.
Doch nicht nur in dieser traditionellen Genossenschaftsform engagieren sich immer mehr Menschen: Sie entstehen im Patientenversorgungsbereich, Dienstleistungssektor, im Energiebereich, bei Freiberuflern, in Form von genossenschaftlichen Dorfläden oder Theatern und vieles mehr – überall dort, wo auch neuer Gemeinsinn gefragt und erwünscht ist. Vor allem entstehen sie auch zunehmend dort, wo sich Staat und Kommunen aus Finanzierung und Versorgung zurückziehen.

Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung – dieses traditionelle Motto der Genossenschaften hat heute neues Leben bekommen: Viele Menschen wollen gemeinschaftlich und wirtschaftlich Anforderungen wieder selber in die Hand nehmen. Genossenschaften – sie haben einen wichtigen Stellenwert für die Zukunft der Gesellschaft und Wirtschaft.

Genossenschaften haben Geschichte

Die Idee zur Gründung erster genossenschaftlich geprägter Organisationen wurde buchstäblich aus der Not heraus geboren: Im Verlauf der Industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts gerieten viele Bauern und kleine Handwerksbetriebe in finanzielle Notlagen. Die Sozialreformer Friedrich Wilhelm von Raiffeisen und Hermann Schulze Delitzsch waren es, die unabhängig voneinander die Grundzüge des Genossen-schaftswesens schufen: 1847 rief Raiffeisen den ersten Hilfsverein zur Unterstützung der notleidenden ländlichen Bevölkerung ins Leben und schuf Modelle für landwirtschaftliche Einkaufsgenossenschaften. Im Verbund konnten Bauern günstiger einkaufen und ihre Ernte vermarkten, oder sogar Darlehen bei den neu geschaffenen „Darlehnskassenvereinen“ aufnehmen. Unabhängig davon rief Hermann Schulze Delitzsch zeitgleich Hilfsvereine für Handwerker und später erste Kreditgenossenschaften ins Leben. Beide Sozialreformer vertraten die Auffassung, dass die Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen nur durch den Zusammenschluss einzelner, schwacher Einheiten zu erreichen sei. Das Motto der ersten Genossenschaften gilt bis heute: Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.

Was ist eine Genossenschaft?

  • Die Genossenschaft ist ein Kooperationsunternehmen und eine Rechtsform – wie auch die AG und die GmbH. Doch im Unterschied zu jenen ist sie nicht verpflichtet, Gewinne zu erzielen. Stattdessen sollen die Mitglieder gefördert werden. Dieser Förderauftrag ist im § 1 des Genossenschaftsgesetzes verankert.
  • Mitglieder einer Genossenschaft sind zugleich Eigentümer, Kapitalgeber und Kunden bzw. Nutznießer der Leistungen des Unternehmens.
  • Jedes Mitglied hat eine Stimme bei allen wichtigen Entscheidungen der Genossenschaft – und das unabhängig von der Höhe des eingesetzten Kapitals. Damit ist die Genossenschaft eine urdemokratische Unternehmensform.
  • Der Überschuss einer Genossenschaft, der erwirtschaftet wird, kommt allen zugute: Zum Beispiel in Form von Rückvergütungen an die Mitglieder.
  • Schon drei Personen können eine Genossenschaft gründen. Der Ein- und Austritt ist unkompliziert.
  • Eine Genossenschaft hat grundsätzlich drei Organe: die Generalversammlung wählt den Vorstand und den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat kontrolliert den Vorstand, der Vorstand leitet das Unternehmen.
  • Jede Genossenschaft ist Teil des Genossenschaftsverbandes und wird regelmäßig durch diesen geprüft.

Gewinn für alle

Genossenschaften sind nicht kurzfristig, sondern langfristig orientiert. Da sie nicht kapitalorientiert sind, werden keine Spekulationen getätigt, keine Genossenschaftsanteile auf dem Finanzmarkt gehandelt.

Durch ihre Fokussierung auf die Mitglieder und durch die Kooperation mit den Genossenschaftsverbänden bieten Genossenschaften Stabilität: Nur 10 % aller Genossenschaften gehen pleite.

Keine andere Rechtsform bietet den Mitgliedern die Möglichkeit der Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitverantwortung ohne staatlichen Einfluss. Dieses System hat sich weltweit in über 100 Ländern bei mehr als 800 Millionen Genossen durchgesetzt und bewährt. So ist z.B. in Kanada jeder dritte Einwohner Mitglied einer Genossenschaft. In der Elfenbeinküste finanzieren Genossenschaften Schulen, Krankenhäuser und Straßen. In Kuwait ist 80 % des Einzelhandels genossenschaftlich organisiert.

Buchtipps

  • Berthold Eichwald, Klaus Josef Lutz: Erfolgsmodell Genossenschaften. Möglichkeiten für eine werteorientierte Marktwirtschaft. Deutscher Genossenschafts-Verlag eG, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-87151-145-5
  • Werner Grosskopf, Hans-H. Münkner, Günther Ringle: Unsere Genossenschaft. Idee – Auftrag – Leistungen. Deutscher Genossenschafts-Verlag eG, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-87151-149-3
  • Hans-H. Münkner, Günther Ringle (Hrsg.): Neue Genossenschaften und innaktive Aktionsfelder. Grundlagen und Fallstudien. Nomos Verlag, 2010, ISBN 978-3-8329-5801-5
  • Konny Gelleneck (Hrsg.): Gewinn für alle! Genossenschaften als Wirtschafts-modell der Zukunft. Westend-Verlag 2012, ISBN 978-3-86489-010-9

Genossenschaften im Film

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