Stabiler Strom aus Erneuerbaren Energien

Quelle: www.kombikraftwerk.de

Neues Forschungsprojekt „Kombikraftwerk 2“ testet Netzstabilität bei einer Strom­versorgung aus 100% Erneuerbaren Energien

Eine sichere und zuverlässige Stromversorgung allein aus Erneuerbaren Energien ist in Deutschland machbar – auch ohne sogenannte Schattenkraftwerke. Das soll das neue Forschungsprojekt „Kombikraftwerk 2“ des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) gemeinsam mit neun Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft nachweisen. Wind- und Biogaskraftwerke sowie Solarstromanlagen werden in Modellen und Feldversuchen verknüpft und zentral gesteuert. Die Forscher erhoffen sich damit Erkenntnisse darüber, wie sich der steigende Anteil von Wind- und Sonnenenergie in die Stromversorgung integrieren lässt. Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 den Beitrag Erneuerbarer Energien im Strombereich auf mindestens 35 Prozent zu erhöhen. Bis spätestens zum Jahr 2050 rechnen Experten mit einer vollständigen Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen.

Darüber hinaus soll untersucht werden, welchen Beitrag Erneuerbare Energien zur Versorgungsqualität leisten können. Bereits heute verfügen Solar-, Biogas- und Windenergieanlagen über technische Eigenschaften, die zur Netzstabilität beitragen und bei Engpässen das Stromnetz entlasten können. Die Wirksamkeit so genannter Systemdienstleistungen bei einer regenerativen Vollversorgung testet das „Kombikraftwerk 2“ unter realen Wetterbedingungen. Mit dem Fokus auf die System- und Netzintegration knüpft das „Kombikraftwerk 2“ an sein Vorgängerprojekt an, das bereits 2007 eine bedarfsgerechte Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien nachgewiesen hatte.

„Ein vollständiger Umstieg auf regenerative Energien ist aus Gründen des Klimaschutzes und angesichts endlicher fossiler Ressourcen unumgänglich. Die Frage ist, was das für die heutige Struktur der Stromversorgung bedeutet, für Übertragungsnetze und Energiespeicher“, sagt Dr. Kurt Rohrig, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel. „Unser Praxistest wird zeigen, dass eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien realistisch ist und dass auch bei Flaute nicht die Lichter ausgehen“, ist sich Rohrig sicher.

Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt „Kombikraftwerk 2“ wird vom Bundesumweltministerium gefördert. Die Partner des Konsortiums sind: CUBE Engineering GmbH, Deutscher Wetterdienst, ENERCON GmbH, Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES), ÖKOBiT GmbH, Fachgebiet Elektrische Energieversorgung der Leibniz Universität Hannover, Siemens AG, SMA Solar Technology AG, SolarWorld AG und die Agentur für Erneuerbare Energien.

Wende von unten bei Energie – Vorreiterrolle: bundesweit erstes Landesnetzwerk

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf, 16. Februar 2013, S. 1

Redakteur: Dietmar Brück

Rheinland-Pfalz. Die rot-grüne Landesregierung will der „Energiewende von unten“ mehr Schwung geben. Das Anfang 2012 gegründete Landesnetzwerk für Energiegenossenschaften (Laneg) wurde dazu jetzt mit einer Mainzer Geschäftsstelle ausgestattet. Mittlerweile haben sich dort 17 der 22 Energiegenossenschaften im Land organisiert. Das Netzwerk ist einzigartig in Deutschland und soll Bürger unterstützen, die gemeinsam in erneuerbare Energien wie Fotovoltaik- oder Windkraftanlagen investieren. Laneg-Vorstand Dietmar Freiherr von Blittersdorff hofft, „dass wir in Rheinland-Pfalz in zwei Jahren 50 Prozent mehr Energiegenossenschaften haben“.

Bundesweit gibt es bereits um die 600 Energiegenossenschaften, die auf dezentrale Energieversorgung setzen. In Rheinland-Pfalz wurden 2012 allein zehn der 22 Genossenschaften gegründet. Die grüne Energieministerin Eveline Lemke sagt: „Die Bürger nehmen die Energiewende zunehmend selbst in die Hand.“ Das Land fördert das Projekt mit 260.000 Euro bis 2015. Die 17 Laneg-Genossenschaften zählen 2.470 Mitglieder. Sie haben bislang 27 Millionen Euro in den Ausbau der erneuerbaren Energien investiert.
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Da steckt Energie drin

Im nördlichen Rheinland-Pfalz gibt es unter anderem folgende Energiegenossenschaften: WaWiSo Rhein-Westerwald in Neuwied, Maxwäll-Energie-Genossenschaft eG in Altenkirchen, Neue Energie Bendorf, HunsrückSonne Kastellaun, SolarRegion RengsdorferLand, Energiegenossenschaft Kirchspiel Anhausen, Pro regionale Energie in Diez, Mehr Energie in Cochem.

RZ Altenkirchen, Betzdorf, 16. Februar 2013, Seite 3

Haushalte reagieren auf steigende Verbraucherpreise – Rückläufige Zahlen beim Energieverbrauch und vermehrter Einsatz Erneuerbarer-Energien-Heizungen beim Neubau

Quelle: Presseerklärung von Agentur für Erneuerbare Energien

Berlin, 20. Februar 2013  |  Die Verbraucherpreise für Haushaltsenergie (Wärmerzeugung und Strom) haben sich im Januar 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,8 Prozent erhöht. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) heute im Rahmen seiner Veröffentlichung des Verbraucherpreisindexes mitgeteilt. Auf diese Verteuerung reagieren die Bundesbürger zunehmend, indem sie Energie im Haushalt einsparen. Neben den Kraftstoffen entfällt der größte Posten der privaten Energierechnung auf das Heizen. Hier lohnt es sich, statt fossiler Ressourcen Erneuerbare Energien für die Wärmeversorgung einzusetzen.

In Wohngebäuden entfallen etwa 82 Prozent der benötigten Energie auf Raumheizung und Warmwasserbereitung. Da Erdöl und Erdgas weiterhin den Wärmemarkt dominieren, schlagen sich besonders die seit Jahrzehnten steigenden Preise dieser Brennstoffe in den privaten Energierechnungen nieder. Musste ein Privathaushalt im Jahr 1991 für 100 Liter leichtes Heizöl noch rund 26 Euro zahlen, waren es im Jahr 2012 fast 88 Euro. Auch die Endverbraucherpreise für Erdgas und Fernwärme sind erheblich gestiegen. Weiterhin hat sich der Anteil der Ausgaben für Energien an den gesamten Konsumausgaben eines Privathaushaltes zwischen 2000 und 2011 von 6,4 auf 7,3 Prozent erhöht. „Der Löwenanteil geht auf die Wärmebereitstellung zurück“, betont Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

Haushalte sparen Energie
Aufgrund dieser Entwicklung haben die Bundesbürger begonnen, Energie einzusparen. Das geht aus den rückläufigen Zahlen zum Energieverbrauch der privaten Haushalte hervor, die das Statistische Bundesamt im Dezember veröffentlichte. Die temperaturbereinigten Daten für das Jahr 2011 zeigen, dass sich der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent verringert hat. Zwischen 2005 und 2011 ist er um insgesamt 10,3 Prozent gesunken. Insbesondere kam im Jahr 2011 ein Viertel weniger Mineralöl in privaten Haushalten zum Einsatz als noch 2005. Außerdem wurden 20 Prozent weniger Erdgas genutzt. „Grund für sinkende Verbräuche von Öl und Gas sind neben Dämmmaßnahmen auch der verstärkte Einsatz energieeffizienter Heizungstechnik auf Basis Erneuerbarer Energien“, erklärt Vohrer. So hat die Wärmeerzeugung aus Biomasse, Solarthermie und Geothermie nach aktuellen Angaben der AG Energiebilanzen im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent zugelegt.

Moderne Heizungsanlagen auf Basis regenerativer Quellen verringern den Energiebedarf von Privathaushalten
Besonders bei Neubauten gewinnt der Einsatz Erneuerbarer Energien an Bedeutung. Aus dem Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) geht hervor, dass in der Hälfte aller zwischen 2009 und 2011 errichteten Neubauten Wärmeerzeugungsanlagen auf Basis Erneuerbarer Energien eingesetzt wurden. Unter den dezentralen (nicht wärmenetzgebundenen) Technologien wurden am häufigsten Wärmepumpen verwendet (in 27 Prozent der Neubauten), gefolgt von Solarthermieanlagen (in etwa 20 Prozent der Neubauten) und von Anlagen zur Nutzung fester Biomasse, z.B. Holzpelletheizungen (in etwa 5 bis 7 Prozent der Neubauten). „Allerdings ist die Bedeutung des Neubausektors für den Gesamtbestand der Heizsysteme relativ gering, da hier nur niedrige Zubauraten zu verzeichnen sind“, bedauert Vohrer. Lediglich für die Technologien Wärmepumpe und zentrale Biomasseheizungen ist dieser Sektor relevanter. Im Jahr 2011 wurden etwa 60 Prozent der zugebauten Wärmepumpen und etwa ein Drittel der Biomasse-Zentralheizungen in neue Gebäude eingebaut. Bei Solarthermieanlagen wird derzeit nur rund jede siebte Anlage auf Neubauten errichtet.

Dennoch Sanierungsstau im Gebäudebestand
Den Hauptanteil des Gebäudesektors bildet allerdings der Bestand. Dort dominieren nach wie vor Heizungen auf Basis von Öl und Gas – auch weil das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz keine Nutzungspflicht für den Gebäudebestand vorsieht. Auch bei einer Sanierung ist der Umstieg auf eine erneuerbare und/oder effizientere Heizung nach Bundesrecht nicht zwingend vorgeschrieben. Momentan ist das Marktanreizprogramm das einzige bundesweite Förderinstrument, das Anreize für die Modernisierung des riesigen Bestandes der alten und ineffizienten Heizungen liefert. „Langfristige Planungs- und Investitionssicherheit für alle Wirtschaftsbeteiligten ist unerlässlich, wenn Treibhausgasemissionen und Brennstoffimporte vermieden werden sollen“, erklärt Vohrer. „Um bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen, bedarf es kontinuierlicher Anstrengungen, den Anteil der Erneuerbaren Energien zu erhöhen.“

Heizsysteme auf Basis Erneuerbarer Energien sind das Schwerpunktthema der Agentur für Erneuerbare Energien auf der diesjährigen ISH in Frankfurt. Die Leistungsschau für innovatives Bad-Design, energieeffiziente Heizungs- und Klimatechnik und Erneuerbare Energien findet vom 12. bis zum 16. März 2013 statt. Den Messestand der Agentur für Erneuerbare Energien finden Besucher in der Galleria 0, Stand H 11.

Die komplette Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.
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Gerne können Sie das Schreiben weitergeben.

 

Kontakt:
Agentur für Erneuerbare Energien
Alena Müller, Pressereferentin  |  Tel: 030-200535-45  |  Fax: 030-200535-51
Mail: a.mueller@unendlich-viel-energie.de
www.unendlich-viel-energie.de

Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation

Quelle:
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)

aus dem Hauptgutachten 2011:

Ein neuer Gesellschaftsvertrag
Die aktuellen Demokratiebewegungen in der arabischen Welt und der Fall der Berliner Mauer sind Belege aus der jüngeren Geschichte für die Kraft und Dynamik transformativer Prozesse. Für den Übergang zur Nachhaltigkeit lassen sich aus diesen Umbrüchen mehrere Lehren ziehen:
Zunächst, unhaltbare Zustände können auf dramatische Weise kollabieren. Ferner sind die Kräfte der Transformation oft lange unter der Oberfläche verborgen. Dies zeigt sich heute nicht zuletzt beim messbaren globalen Wertewandel in Richtung Nachhaltigkeit.
Schließlich enthüllt der Zusammenbruch von auf Extraktion von Öl und Gas gestützten Diktaturen (Sowjetunion, Libyen) zugleich die versteckten Kosten des „fossilen“ industriellen Metabolismus.
Das kohlenstoffbasierte Weltwirtschaftsmodell ist auch ein normativ unhaltbarer Zustand, denn es gefährdet die Stabilität des Klimasystems und damit die Existenzgrundlagen künftiger Generationen. Die Transformation zur Klimaverträglichkeit ist daher moralisch ebenso geboten wie die Abschaffung der Sklaverei und die Ächtung der Kinderarbeit. Bereits seit geraumer Zeit befindet sich das fossile ökonomische System international im Umbruch […]

Die komplette Zusammenfassung des Gutachtens können Sie hier herunterladen.
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Energiewende im Westerwald und Entwicklung am Stegskopf

In enger Zusammenarbeit mit der Bürgergesellschaft „Alternative Energien Kroppacher Schweiz GmbH & Co KG” haben wir in einem Offenen Brief an kommunale Verwaltungen, Politiker und Verbände dargestellt, wie wichtig es ist, Wind-Energie-Anlagen (WEA) dort zu bauen, wo sie rentabel betrieben werden können. Wenn wir die Energiewende ernst meinen und Verantwortung dafür mit übernehmen, ist es notwendig, Lösungen zu suchen, das heißt in diesem Zusammenhang eben auch:  angemessene Standorte zu suchen – und zu finden. Verschiedene Interessen müssen erwogen werden, wir sollten darüber miteinander ins Gespräch kommen!

Auszug aus dem Offenen Brief:
Mensch und Natur brauchen eine Energiewende: eine Energie, die die Erde auf Dauer verkraftet – zum Wohle aller! Wir bitten Sie dabei um Ihre Unterstützung, um Ihr „Knowhow“, um sorgfältiges Abwägen der Interessen. Lassen Sie uns darüber ins Gespräch kommen!
Wir vertreten zwei der vielen Genossenschaften und Bürgergesellschaften, die es inzwischen in Rheinland-Pfalz gibt. Unsere beiden Gesellschaften hier in der Region Westerwald haben zusammen fast 300 Mitglieder – viele sind gleichzeitig auch Mitglieder in Naturschutzverbänden.
Unser Ziel ist es, im Westerwald eine Energiewende herbeizuführen, die „aus Bürgerhand – in Bürgerhand“ bleibt, also getragen wird von den Menschen, die hier leben. Das Interesse der Bürger ist groß, sich daran zu beteiligen: Energiewende im Westerwald könnte also gelingen! Leider fehlen zur Zeit notwendige Standorte, um zum Beispiel Wind-Energie-Anlagen (WEA) aufzubauen. Das ist ja das, was wir hier im Westerwald reichlich haben: Wind auf den Höhenzügen unseres Landstriches.
Mit den folgenden Ausführungen zeigen wir einen Weg auf, wie sich die Energiewende aufgrund bestehender Regelungen ermöglichen lässt, natürlich ohne die Belange des Naturschutzes nachhaltig zu gefährden. Diese Regelungen gelten für ganz Rheinland-Pfalz; im Besonderen gehen wir hier auf den Stegskopf ein, weil das hier im Westerwald mit Abstand der beste Windstandort ist …

Den kompletten Brief können Sie hier herunterladen
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Gern können Sie das Schreiben weitergeben; wir freuen uns, wenn Sie uns darüber informieren, an wen Sie es weiter gereicht haben. Danke.

Ökonomin Kemfert wirft Gegnern der Energiewende Lügen vor

Quelle: WAZ

Berlin.  Die Ökonomin Claudia Kemfert wirft den Gegnern der Energiewende Lügen und Mythenbildung vor. „Kampf um Strom“ heißt ihr Buch. Die Ähnlichkeit mit „Kampf um Rom“ dürfte gewollt sein, und so geht es dabei ja auch zu. Ein Interview.

Ökonomin Kemfert wirft Gegnern der Energiewende Lügen vor
Ökonomin Claudia Kemfert verteidigt in ihrem Buch „Kampf um Strom“ die Energiewende.

 

Mit ihrem neuen Buch „Kampf um Strom“ will Prof. Claudia Kemfert, Leiterin der Energieabteilung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der „lauten und einflussreichen“ Lobby der Energiewende-Gegner entgegentreten und ihre Argumente entkräften. Der Ton der Wissenschaftlerin ist durchaus gereizt.

Frau Prof. Kemfert, haben Sie eine Streitschrift verfasst?

Claudia Kemfert: Mich ärgert, wie unsachlich die Debatte über die Energiewende verläuft. Ich befürworte die Wende, deswegen möchte ich den aberwitzigen Schlachtparolen der Energiewende-Gegner entgegentreten. Manche davon sind ja bereits zu Mythen geworden und verunsichern die Menschen. Dabei will die große Mehrheit das Ziel erreichen, bis 2050 80 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Bis dahin ist noch viel Zeit, aber die Entscheidungen fallen jetzt.

Der Strompreis an der Börse ist niedrig, doch der Verbraucher zahlt höhere Preise. Wieso?

Kemfert: Je niedriger der Börsenpreis ist, desto größer ist die Lücke zu den festen Vergütungssätzen, die die Erzeuger von Ökostrom erhalten. Diese Lücke muss die EEG-Umlage füllen. Es wäre allerdings leicht für die Konzerne, die niedrigen Börsenpreise an die Kunden weiterzugeben. Mit dem Sündenbock Ökoenergie lassen sich aber Gewinne machen. Das wird den Verbrauchern von der Politik nicht ausreichend erklärt.

Wo stehen wir bei der Energiewende?

Kemfert: Beim Ausbau sind wir schon weiter als geplant. Doch es gibt noch große Hürden. So hinkt der Netzausbau hinterher, wir brauchen mehr Speicher für Ökostrom und eine bessere Kooperation zwischen Bund und Ländern und in Europa. Anstatt diese Probleme anzugehen, wird nur von der EEG-Umlage geredet – eine Alibi-Diskussion, um die Energiewende abzuwürgen.

Kritiker sagen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das EEG, das dem Ökostrom Vorrang bei der Einspeisung in die Netze gewährt und eine feste Vergütung garantiert, muss weg. Ist das richtig?

Kemfert: Das ist falsch. Das EEG ist ein Erfolgsmodell. Über 60 Länder haben eine ähnliche Regelung eingeführt. Ich warne davor, das EEG abzuschaffen, die Investoren würden abspringen und die Energiewende käme zum Erliegen. Was wir brauchen ist ein marktfähiges System, das in der Übergangszeit das Nebeneinander von fossilen und erneuerbaren Energieträgern regelt. Der Markt regelt das nicht von allein.

Geht der Ausbau der Ökoenergie zu schnell voran?

Kemfert: Dass die Energiewende zu schnell geht, ist neben der Preislüge der zweite Mythos, der von den Gegnern verbreitet wird. Sie versuchen damit, die Wende zu torpedieren oder zu bremsen. Denn solange alte stillgelegte Kohlekraftwerke nicht durch erneuerbare Energien ersetzt werden können, müssen neue Kraftwerke gebaut werden. Die laufen dann aber 40 bis 60 Jahre. Sind sie erstmal am Netz, gibt es für einen Zubau von Ökoenergie keine Notwendigkeit mehr. Das aber ist nötig, und zwar schnell. Das Zeitfenster ist klein.

Wer sind die Gegner der Energiewende?

Kemfert: Viele Wirtschaftskräfte haben Interesse, den Status Quo zu bewahren. Dazu gehören Stromkonzerne – von denen einige allerdings schon sehr viel für die Energiewende tun – dazu gehören energieintensive Unternehmen. Außerdem gibt es rein ideologische Gegner. Konservative, denen alles Grüne suspekt ist oder Anhänger der FDP, die zwar in der Regierung ist, aber nicht hinter der Entscheidung zur Energiewende steht.

Was sind die Motive der Bremser?

Kemfert: Derzeit verdienen die Konzerne mit abgeschriebenen Kraftwerken viel Geld. Sie haben ein Interesse daran, dass sich der Bau von Kohlekraftwerken noch lange rentiert. Je schneller die Energiewende vorankommt, desto schneller brechen die Geschäftsmodelle weg.

Kann die Energiewende noch scheitern?

Kemfert: Diese Gefahr sehe ich. Das Management der Energiewende muss sich verbessern. Die Zuständigkeiten müssen gebündelt werden. Netzausbau, Speicher und die internationale Koordination sind weitere Themen. Wenn man diese Aufgaben nicht entschlossen angeht, haben die Energiewende-Gegner weiter ihr Spielfeld und schlimmstenfalls am Ende Erfolg.

von Christopher Onkelbach

 

Energiewende in Rheinland-Pfalz: Windkraft und Naturschutz

Einladung zum 9. Mainzer Arbeitstag des Landesamtes für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (LUWG)

Donnerstag, 28. Februar 2013  |  9.30–16.30 Uhr
im Forstersaal des Kurfürstlichen Schlosses, Mainz

„Energiewende und naturverträgliche Nutzung der Windkraft“ ist das Thema, das aus Sicht der Landesregierung, Anlagenbetreiber, Umweltverbände und Fachverwaltung dargestellt und diskutiert wird.
Diese ganztägige Öffentlichkeitsveranstaltung des LUWG richtet sich deshalb an TeilnehmerInnen aus Politik, Ministerien, Fach- und Vollzugsbehörden, kommunalen Verwaltungen (Kreise, Städte und Gemeinden), Umwelt-, Naturschutz- und Fachverbänden, Energieunternehmen sowie Planungsbüros.

Moderation der Tagung:
Dr.-Ing. Stefan Hill, Präsident des Landesamtes für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht, Mainz.

Weitere Informationen und Anmeldung:
mainzer-arbeitstage@luwg.rlp.de   Tel. 06131/6033-1902

Die Einladung können Sie hier herunterladen und gerne auch weiterleiten! Danke.
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