Strompreis: Wie die Energiewende teuer gerechnet wird

Quelle: www.brm-ev.de

Was sagen Durchschnittswerte über das EEG?
In den Pressemitteilungen der letzten Tage wurden immer wieder Durchschnittswerte bezüglich der EEG-Umlage ermittelt. Doch was bedeuten diese eigentlich? Beispielsweise die 17 Cent pro Kilowattstunde sind ein Mittelwert aus allen Anlagen egal welchen Typs und Baujahrs. Außerdem könnte die Regierung die EEG-Umlage verringern, indem sie darauf verzichtet, die Mehrwertsteuer beim EEG zu erheben oder den derzeitigen Mehrwertsteuersatz auf Strom von 19 auf 7 Prozent herabsenkte.
(Telepolis) http://www.heise.de/tp/blogs/2/155705
Strompreis: Wie die Energiewende teuer gerechnet wird
Wolfgang Pomrehn 20.01.2014
Gewagte Zahlenspielereien sollen der Öffentlichkeit den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energieträger madig machen.
Die Nachrichtenagentur dpa liefert dieser Tage mal wieder ein wunderbares Beispiel, wie in der Debatte über Strompreis und Energiewende mit Halb- und Viertelwahrheiten operiert wird, bis kein Leser mehr weiß, was eigentlich Sache ist. In einem Bericht über ein Papier aus dem neu zugeschnittenen Energie- und Wirtschaftsministerium lässt sie uns wissen, weshalb die „Ökostrom-Förderung“ möglichst schnell und radikal beschnitten werden muss:

1. Weil der „Durchschnittshaushalt (…) knapp 220 Euro EEG-Umlage im Jahr“ zahlt,

2. weil „bisher durchschnittlich 17 Cent je Kilowattstunde für Windräder, Solar- und Biogasanlagen“ gezahlt wird

3. und weil „dieses Jahr (…) rund 23,5 Milliarden Vergütungskosten“ anfallen.

Wenn der durchschnittliche Haushalt tatsächlich 220 Euro pro Jahr für die EEG-Umlage zahlt, dann wäre das in der Tat eine ziemlich Menge. Dann würde er nämlich insgesamt eine Stromrechnung von etwa 1050 Euro im Jahr haben. Das mag sein und ist in der Tat ein Haufen Geld für Familien im Bereich der unteren 70 Prozent der Einkommenspyramide. Insbesondere natürlich für Aufstocker und andere Hartz-IV-Empfänger, deren Bedarf nicht an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst wird.

Diese Stromrechnung könnte zum Beispiel verringert werden, indem der Staat darauf verzichtet, auf die EEG-Umlage auch noch die Mehrwertsteuer zu erheben. Das würde eine Entlastung von 41,80 Euro pro Jahr ergeben. Oder der Bundestag könnte mit den Stimmen der großen Koalition beschließen, den Mehrwertsteuersatz auf Strom von den derzeitigen 19 auf sieben Prozent abzusenken. Schließlich ist Energie ja auch so eine Art Lebensmittel. Die Entlastung würde 126 Euro im Jahr betragen.

Man könnte natürlich auch dafür sorgen, dass nicht mehr wie bisher der sinkende Börsenstrompreis zu einer höheren EEG-Umlage führt. Zum Beispiel, indem man die CO2-Zertifikate verteuert oder am besten gleich den Mechanismus anders strickt. Und so weiter und so fort. Der Möglichkeiten, den Strom zu verbilligen, ohne Tempo aus der Energiewende zu nehmen, sind viele. Man müsste nur wollen.

Kommen wir zum zweiten Punkt: 17 Cent je Kilowattstunde. Auf die Idee muss man erst einmal kommen, über alle Anlagen, egal welchen Typs und Baujahrs, zu mitteln. Das ist in der Tat eine PR-Meisterleitung, und man muss eigentlich nur fragen, ob sie dem Meldungs-Schreiber selbst, einer Lobbyagentur der Energiekonzerne oder einem Mitarbeiter des neuen Gabriel-Ministeriums eingefallen ist. Am Mittwoch oder Donnerstag, wenn das Bundeskabinett über Sigmar Gabriels Papier abgestimmt haben wird, über das dpa hier berichtet, ohne seinen Lesern viel Substanzielles mitzuteilen, werden wir mehr wissen.

Monatliche Vermarktungsmengen und -preise (durch zehn geteilt ergibt den Preis in Cent pro Kilowattstunde). Auffällig sind die relativ geringen Mengen an Windstrom. Rund fünf Sechstel des Windstroms wurden von den Anlagenbesitzern direkt vermarktet (siehe Bild in Anlage).

Ansonsten seien einfach die Vergütungszahlen für in den nächsten Monaten errichtete Anlagen noch einmal zitiert: In den ersten fünf Jahren nach Inbetriebnahme gibt es für Windstrom aus einer an Land stehenden Anlage je nach Standort 8,93 bis 9,41 Cent pro Kilowattstunde. Danach wird nur noch 4,87 Cent pro Kilowattstunde gezahlt. Wird eine alte durch eine neue Anlage ersetzt, wird die Vergütung für die ersten fünf Jahre um einen halben Cent erhöht. Für Strom aus PV-Neuanlagen gibt es ab 1. Januar nur noch je nach Anlagengröße 9,47 bis 13,58 Cent. In den nächsten Monaten werden die Vergütungssätze für Solarstrom weiter jeweils zum Monatsersten sinken.

Windkraftanlagen auf See produzieren dagegen teurer: Dort gibt es für die ersten zwölf Jahre eine Anfangsvergütung von 15 Cent pro Kilowattstunde, was sich mit zunehmendem Abstand zur Küste und größerer Wassertiefe noch verlängern kann. Wahlweise können die Betreiber sich auch für eine erhöhte Anfangsvergütung von 19 Cent pro Kilowattstunde entscheiden, die dann aber nur acht Jahre gezahlt wird. In beiden Fällen gibt es danach noch 3,5 Cent pro Kilowattstunde.

Auf den oben erwähnten hohen Durchschnittswert kommt man nur, wenn man auch die teuren Anlagen einbezieht, die vor zwei, drei oder noch mehr Jahren gebaut wurden. Insbesondere die Photovoltaik hat sich seitdem erheblich verbilligt.

So sehr, dass die EEG-Umlage, wie berichtet, ohnehin eigentlich nicht mehr steigen dürfte. Selbst nicht, wenn an der kontraproduktiven Bindung an den Börsenstrompreis nichts geändert wird. Die oben zitierten 23,5 Milliarden Euro dürften kaum noch überschritten werden, wenn die Summe nicht ohnehin schon für dieses Jahr etwas hoch gegriffen ist.

Wie man hier sehen kann, ist das EEG-Konto, das durch die Umlage ausgeglichen werden soll, mit einem dicken Minus von über zwei Milliarden in das Jahr 2013 gestartet, aber es ist derzeit nahezu auf Null. Das heißt, die Umlage hat im letzten Jahr nicht nur dafür ausgereicht, die anfallenden Kosten abzudecken, sondern auch noch Rückstände aus dem Vorjahr abzutragen. Dennoch wurde sie erhöht, was angesichts der sinkenden Vergütungen für Neuanlagen nicht unbedingt nachvollziehbar ist.

Ohnehin, und damit wären wir beim dritten Punkt, sind diese 23,5 Milliarden keineswegs die Gesamtkosten des Fördersystems, wie immer wieder gerne suggeriert wird. Das bezeichnet lediglich die Summe, die für Vergütungen, Marktprämien, Bürokratiekosten des Stromhandels und des Ausgleichstopfs sowie für die Liquiditätsreserve aufgewendet wird.

(Siehe auch: EEG-Umlage steigt auf 6,3 Cent.)

Telepolis: Energie und Klima-News

Mit freundlichen Grüßen

Martin Tauschke
Geschäftsführer

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Planer bleiben optimistisch

Quelle: Siegener Zeitung / Altenkirchen

Windparks im AK-Land
Kreis Altenkirchen. Trotz der Ankündigung aus Berlin, dass die Förderung für Windenergieanlagen gekürzt werden soll, bleiben die Projektplaner optimistisch.

damo – Auch wenn seine Intention eine andere ist: Derzeit spricht einiges dafür, dass Umweltminister Sigmar Gabriel Einfluss auf die Windkraft-Debatte im Kreis AK nehmen wird. Der Berliner Rotstift soll auch den Ausbau der Windkraft im Binnenland berühren. Und genau dieser Aspekt könnte für das AK-Land weitreichende Folgen haben.

Noch bleiben die Planer aber optimistisch. Für den Projektentwickler Juwi, der ein Auge auf den Giebelwald geworfen hat,  betonte Pressesprecher Michael Löhr: „Wir halten zu 100 Prozent an unseren Plänen fest.“ Man setze darauf, dass „sich die Vernunft durchsetzt“. Denn „grundsätzlich ist eine große Mehrheit der Bevölkerung für die Energiewende“. Entscheidend sei jetzt die „genaue Ausformulierung der Pläne Gabriels“, denn noch sei vieles offen.

Fast gleichlautend fällt die Antwort von Günter Knautz von der Wäller Energiegenossenschaft aus. „Aus dem, was gesprochen wird, ist noch gar nichts Konkretes zu packen. Im Moment besteht kein Anlass, unsere Vorhaben anders zu bewerten als bisher.“

Peter Müller berichtete, die Genossenschaft „Maxwäll“ halte  an ihren Plänen fest, allerdings müsse man in Verträgen eine Vorbehaltsklausel einbauen. Was ihn aber auf die Palme bringt: „Es ist völlig unverständlich, dass man mit Blick auf die Kostenersparnis  Offshore-Windparks ausbauen und im Binnenland kürzen will.“

 

„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“

Unser Mitglied Manfred Müller macht aufmerksam auf ein Buch und
weist  auf ein Seminar dazu hin: Mi. 12.03.2014, 20.00 – 21.30 Uhr ( Marienberger Seminare)

„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“
ein Buch von Claus Leggewie und Harald Welzer

Unser jetziger komfortabler Lebensstil beruht zu 80 Prozent auf der Verbrennung fossiler Energieträger; und das ließe sich in keiner Hinsicht länger aufrechterhalten. Zwangsläufig müsse sich ein anderer Lebensstil entwickeln, mit radikal veränderten sozialen, politischen und kulturellen Strukturen, so Claus Leggewie und Harald Welzer in ihrem Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“.

Mit Blick auf die notwendige Krisenbewältigung, so ihre Meinung, ist eine verstärkte demokratische Teilhabe der Bürger kein Luxus, sondern eine notwendige Bedingung, zumal der Klimawandel noch viel tiefgreifender ausfallen wird als bislang vermutet. Sie blicken auf Phänomene wie Temperaturanstieg, Dürren und Überflutungen und fragen sich nach deren Auswirkungen auf zukünftige Sozial- und Kulturverhältnisse. Der nötige Umbauprozess der Gesellschaft soll letztlich von einer politisch hoch- motivierten, aktiven Zivilgesellschaft getragen werden.

 

Windpark Oberholz geplant

Quelle: Westerwälder Zeitung vom Freitag, 10. Januar 2014, Seite 18

Energie Alle Bürger können sich beteiligen

M Hachenburg. Die Verbandsgemeinde Hachenburg plant, im Bereich des Oberholzes einen neuen Windpark zu errichten. In den vergangenen Monaten wurde dafür das in Frage kommende Gebiet nach natur- und artenschutzfachlichen Aspekten begutachtet. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Ziel ist es, bei der Errichtung des Windparks die Bürger zu beteiligen: „Das Geld soll aus der Region kommen und auch hier bleiben“, erklärte Marco Dörner, Leiter der Verbandsgemeindewerke. Wenn alles klappt, dann könnten die Bürger sich über kommunalen Strom freuen.

Die Räte der vier angrenzenden Ortsgemeinden Alpenrod, Gehlert, Lochum und Steinebach an der Wied haben sich dafür ausgesprochen, ein solches Projekt unter umfassender Beteiligung der Bürger zu realisieren und hierbei gleichzeitig die Ziele der Ortsgemeinden gemeinsam zu verfolgen. Für die Beteiligung von Bürgern, aber auch Vereinen, Unternehmen und Co. sowohl aus den vier Ortsgemeinden als auch aus der gesamten Region, haben sich die Ortsgemeinden für die Zusammenarbeit mit drei in der Region ansässigen Gesellschaften ausgesprochen.

Es handelt sich hierbei um die Alternative Energie Kroppacher Schweiz (www.aeks-energie.de), die Maxwäll Energie-Genossenschaft (www.maxwaell-energie.de) und die Wäller Energie (www.waeller-energie.de). In jeder dieser drei Gesellschaften haben sich über die Jahre bereits Hunderte von Westerwälder Bürgern zusammengeschlossen, um an der Energiewende in ihrer Region aktiv mitzuarbeiten und diese auch finanziell zu unterstützen. Schon mit 500 beziehungsweise 1000 Euro kann man dort dabei sein.

Um in die weiteren Schritte der Planung auch die Resonanz der Bevölkerung einfließen zu lassen, wird darum gebeten, bei der Gemeindeverwaltung oder bei den Verbandsgemeindewerken Hachenburg unter buergerwind@vgw-hachenburg.info ein mögliches Interesse an einer finanziellen Beteiligung am Bürgerwindpark Oberholz unverbindlich zu bekunden. Interessierte Bürger können hierbei Ihren Namen, eine Telefonnummer und die etwaige Höhe einer finanziellen Beteiligung angeben. Eine vertrauliche Behandlung dieser Angaben wird selbstverständlich zugesichert.

Blick auf die fünf Anlagen in der Nähe von Alpenrod, in deren Nähe auch der Bürgerwindpark errichtet werden könnte.

Mit zunehmender Projektreife wird das Vorhaben in Einwohnerversammlungen ausführlich vorgestellt werden. Für Rückfragen stehen die Verbandsgemeindewerke Hachenburg (Betriebszweig Energieversorgung) zur Verfügung.

Infokampagne zur Strompreislüge

Kampagne zur Strompreislüge

Die Gegner der Energiewende blasen zum Angriff auf die erneuerbaren Energien und auf das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Mit verzerrten Kostenargumenten machen sie gegen die Energiewende Stimmung, denn: Dezentrale Strukturen und Bürgerbeteiligung stören die althergebrachte, zentral organisierte Energieversorgung und schmälern die Gewinne der großen Energiekonzerne.

Die Bundesregierung lamentiert über hohe Strompreise, unterstützt aber gleichzeitig die ungerechte und unsoziale Umverteilung der Energiekosten: Großverbraucher in der Industrie werden von den Kosten der Energiewende befreit. Privatkunden und kleinere Unternehmen müssen nicht nur die volle Last tragen, sondern auch die Befreiungen und Vergünstigungen der Industrie auffangen.

Ziel der gemeinsamen Kampagne von Energieriesen und Bundesregierung ist es, den Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien zugunsten der alten zentralen Großstrukturen zu stoppen und damit eine Steilvorlage zur Rücknahme des Atomausstiegs zu liefern.

Das werden wir nicht zulassen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir den Ausstieg aus den Erneuerbaren und den Wiedereinstieg in die Atomkraft verhindern. Deshalb haben wir diese Info-Kampagne gestartet und bieten Ihnen ein Paket mit Flyern zur Strompreislüge. In unserem neuen Faltblatt widerlegen wir kurz und knackig die Lügen von Politikern und Energiekonzernen.

 

 

Die Kommune Dollnstein im Altmühltal betreibt ein „intelligentes Nahwärmenetz“

Quelle:  Dollnstein
Das oberbayerische Dollnstein liegt in der berühmten Ausflugsregion Naturpark Altmühltal. Die Marktgemeinde mit ihren 2.700 Einwohnern liegt mitten im Tal der Altmühl und bietet den vielen Besuchern neben Teilen der mittelalterlichen Befestigungsanlage und einer freskengeschmückten Pfarrkirche auch Naturdenkmäler wie den Burgsteinfelsen. Seit diesem Jahr hat Dollnstein aber auch noch ein Hightech-Highlight zu bieten, denn Dollnstein beheimatet eines der ersten intelligenten Wärmenetze in Deutschland. „Als Region, die Natur erlebbar machen möchte, sollte der Klimaschutz und damit der nachhaltige Umgang mit den natürlichen Ressourcen im Mittelpunkt der Bemühungen stehen“, betont der 2. Bürgermeister Wilhelm Radmacher. „Die Besucher, die nach Dollnstein kommen, erleben Natur erleben, Klima schützenDer Naturpark Altmühltal ist der drittgrößte Naturpark Deutschlands und eines der beliebtesten touristischen Ziele Bayerns. Mehrere Hunderttausend Besucher bewegen sich auf den Spuren des versteinerten Urvogels Archaeopteryx oder erkunden die faszinierende Kulturlandschaft auf dem 240 Kilometer langen Radweg entlang der Altmühl. Seit einigen Jahren wird dabei verstärkt auf E-Bikes gesetzt. Die notwendige Infrastruktur mit den entsprechenden Verleih- und Ladestationen wurde ausgebaut. „Die Radwanderer möchten das Naturerlebnis erhalten und da gehört die Nutzung der sauberen Erneuerbaren Energien dazu“, zeigt sich Wilhelm Radmacher überzeugt. „Ein Vielzahl von Kaminen die Rauch rausblasen sind für Touristen nicht besonders ansprechend.“ Dollnstein setzt dabei neben Photovoltaikanlagen auf ein Nahwärmenetz. „Ein Nahwärmenetz bietet älteren Menschen ein komfortables Heizungssystem, bei dem sie sich nicht mehr selber um die Reparatur des Kessels oder um die Brennstofflieferung kümmern müssen“, erklärt Radmacher. „Außerdem erhoffen wir uns ein attraktives Angebot für junge Menschen und tun damit etwas gegen den demographischen Wandel auf dem Land.“

Foto: Marktgemeinde Dollnstein

Flexible Wärme

Die Idee zum Wärmenetz entstand, als 2011 neue Wasserleitungen verlegt werden sollten und die Kommune hier die Möglichkeit sah, die Baumaßnahmen auch für die Verlegung der Wärmenetze zu nutzen. Als erste Option wurde ein Wärmenetz auf der Basis von Biomasse angedacht, aber die Wirtschaftberechnungen zeigten, dass das Netz im Sommer nicht wirtschaftlich betrieben werden konnte, da es für die durchschnittliche Netz-Temperatur von 80 Grad Celsius keinen entsprechenden Bedarf gab. Die Dollnsteiner suchten daher nach einer Möglichkeit, die Temperatur im Wärmenetz zu flexibilisieren und dem Verbrauch besser anzupassen. „Der engagierte Dollnsteiner Bürger Alfons Kruck brachte uns darauf, die Wärme des Grundwassers zu nutzen und in das Wärmenetz einzuspeisen“, erinnert sich Radmacher. Das bis zu 10 Grad warme Wasser wird mithilfe von Wärmepumpen erhitzt und liefert die „Grundlast“ des Netzes, mit 20-25 Grad. Hinzu kommt Energie aus solarthermischen Anlagen, die auf den Dächern der kommunalen Gebäude und Privatdächern angebracht sind. Dieses Wasser wird dann an den Übergabestationen in den einzelnen Haushalten auf die benötigte Temperatur gebracht. „In den Sommermonaten kann das Netz komplett über die solarthermischen Anlagen laufen und für den Strom der Wärmepumpen reicht die Photovoltaikanlage auf dem Dach der „örtlichen Schule“, erzählt Radmacher.

Smart Heat

Um das Potenzial der Solaranlagen auch dann zur Verfügung zu haben, wenn der Verbrauch da ist, gibt es mehrere Wärmespeicher in Dollnstein. Ein Speicher mit einem Fassungsvermögen von 27.000 Litern und einer Temperatur von 80 Grad sowie ein Speicher mit 15.000 Litern Fassungsvermögen und einer Temperatur von 30 Grad bilden das Rückgrat des Speichersystems. Hinzu kommen noch einige 300-Liter-Tanks in den Privathaushalten. Alle Komponenten sind miteinander verbunden und informieren sich über die jeweilige Wärmbereitstellung und den Bedarf der Verbraucher. „Strom- und Wärmebereitstellung sowie die Verbraucher sind hier in einem intelligenten System miteinander vernetzt“, meint Radmacher. „Man kann hier in Dollnstein schon von einem intelligenten Wärmenetz reden.“ Für Spitzenzeiten gibt es außerdem noch einen Holzhackschnitzelkessel, der direkt in das Wärmenetz einspeisen kann. „Die Investitionskosten in das gesamte Projekt belaufen sich insgesamt auf 1,6 Millionen Euro, die vielen Stunden an ehrenamtlicher Tätigkeit der Beteiligten nicht eingerechnet“, rechnet Radmacher vor. „Träger und Betreiber ist das kommunale Unternehmen Energie Dollnstein, welches neben dem Wärmenetz auch einige Photovoltaikanlagen betreibt.“ Um das Netz wirtschaftlich betreiben zu können, ist ein Verbrauch von etwa einer Millionen Kilowattstunden im Jahr nötig, der durch die Anschlussquote von etwa 75 Prozent übertroffen wurde. „Für die Menschen vor Ort ist insbesondere das unkalkulierbare Risiko der schwankenden Ölpreise entscheidend, um die Heizung auszutauschen“, sagt Radmacher.

Zukunft sichern

Doch es geht den Dollnsteinern nicht nur darum, für die Zukunft vorzusorgen, sondern auch, um in die Zukunft zu investieren. Das Nahwärmeprojekt wird von vielen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fachhochschule Ingolstadt begleitet und die örtliche Energiegenossenschaft „Neue Energie Dollnstein“ plant die Beteiligung an und die Errichtung von Windenergieanlagen. „Man weckt das Engagement der Menschen über die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen und zu beteiligen“, ist sich der 2. Bürgermeister Wilhelm Radmacher sicher. „Dank wirtschaftlicher Transparenz und Information bringen sich die Bürgerinnen und Bürger in Dollnstein mit viel Einsatz und ehrenamtlicher Arbeit beim Thema Klimaschutz ein.“

 

 

 

 

Klar-Folien setzt künftig auf eigene Energie

Quelle: Westerwälder Zeitung vom Montag, 2. Dezember 2013, Seite 9

Wirtschaft
Dernbacher Unternehmen ist unabhängig von Stromanbietern – Sonnenenergie wird übers Jahr gespeichert
Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Dernbach. Der Dernbacher Folienhersteller Klar geht in der Energieversorgung ganz neue Wege und hat jetzt in eine innovative Energie-Anlage investiert, die Modellcharakter für andere Westerwälder Mittelständler haben könnte. Das Familienunternehmen wird ab 2014 völlig energieautark und ist damit unabhängig von jeglichen Stromanbietern. Denn die Westerwälder Firma produziert nicht nur den Strom, den sie tagtäglich benötigt, dank einer Fotovoltaikanlage selbst, sondern sie wird die Sonnenenergie mittels neuester Technik künftig auch über einen langen Zeitraum speichern können. Im März kommenden Jahres soll die High-Tech-Anlage des Auricher Herstellers Mossau Energy in Betrieb gehen.

Bereits jetzt wurde das Herzstück der Anlage, ein elf Meter langer Wasserstofftank, mit Hilfe eines schweren Spezialkrans auf das Firmengelände in Dernbach gehievt. „Die Anlage ist in ihrer Art nicht nur einmalig im Westerwaldkreis, sondern in ganz Deutschland“, betont Wolfgang Klar, der das Projekt als technischer Berater der drei Firmenchefs Diethelm Klar (Klar Folien), Markus Klar (Markus Klar Folien) und Hendrik Klar (FVG) seit gut zwei Jahren betreut. „Unser Ziel ist es, unabhängig von Anbietern wie der Kevag zu werden. Wir können unseren Strom allein erzeugen und speichern“, betont Klar.

Doch es geht dem Mittelständler nicht nur darum, unabhängig von der Strompreisentwicklung zu sein und damit Energiepreise und Betriebskosten langfristig überschaubar zu halten, sondern es steckt auch eine gute Portion Idealismus dahinter. „Den endgültigen Ausschlag für diese Investition haben der Reaktorunfall von Fukushima im Jahr 2011 und der Atomausstieg gegeben“, erläutert der Berater. „Wir wollten nicht auf die Politik warten. Wir machen unsere eigene Energiewende“, betont er.

Unspektakulär sieht der 20-Kubikmeter-Tank auf der Ladefläche des Mehrtonners aus, der künftig die Energiewende bei Klar Folien möglich macht. Der Tank speichert übers Jahr Sonnenenergie in Form von Wasserstoff.

Viele Mittelständler, so der Berater, verfolgen das Energiethema derzeit mit großem Interesse und suchen nach Lösungen für ihren Betrieb. „Wir wissen nicht, wie sich die Strompreise in Zukunft entwickeln werden. Nur eines ist klar: Sinken werden die Preise nicht“, betont der Unternehmer. Auch wenn sich die Investition in Höhe von mehreren hunderttausend Euro, das genaue Volumen nannte Klar nicht, jetzt noch nicht betriebswirtschaftlich rechne. „Auf lange Sicht wird es sich lohnen“, ist Klar sicher.

Der Folien-Hersteller beschäftigt sich schon seit langem mit der umweltfreundlichen Nutzung der Sonnenenergie. Schließlich vertreibt und konfektioniert das Unternehmen selbst Folien, die in Fotovoltaikzellen eingelassen sind. Bereits vor zwei Jahren hat das Unternehmen auf dem Firmendach eine rund 1.000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage mit 950 Modulen und einer Jahresleistung von 90.000 bis 100.000 Kilowattstunden installiert. Damit produziert die Firma vier Mal so viel Strom wie sie im Jahr selbst verbraucht.

Bislang kann der Folienhersteller die selbst produzierte Energie nur mittels einer Batterie für maximal zwei Tage zwischenspeichern. „Damit können wir die Nächte oder sonnenärmere Tagesabschnitte überbrücken“, erläutert Klar. Mit Hilfe der neuen Technik eröffnen sich aber ganz neue Dimensionen. Unter Einsatz der Sonnenergie wird Wasser in einem Elektrolyseverfahren in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Energieträger Wasserstoff wird dann unter hohem Druck in den 20-Kubikmeter-Tank auf dem Firmengelände gepresst und dort gespeichert.

Bei Bedarf wird der gesamte chemische Prozess in den Brennstoffzellen, die sich in Schaltschränken der Lagerhalle befinden, umgekehrt. Dadurch entstehen wieder Wasser und elektrische Energie. „Mit dieser saisonalen Speicherung per Wasserstoff können wir den Winter überbrücken und müssen keinen Strom dazukaufen“, sagt Klar zufrieden. „Für Gewerbebetriebe in unserer Größenordnung gab es eine solche technische Lösung bislang nicht“, sagt er. Westerwälder Unternehmern bietet Klar an: „Wer sich über die Anlage informieren möchte, ist herzlich willkommen.“

SGD Nord – Verfahren zur Unterschutzstellung „Stegskopf“

Quelle: Struktur und Genehmigungs Direktion Nord ( SGD-Nord)

Stegskopf

Verfahren zur Unterschutzstellung „Stegskopf“ eingeleitet

 

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord hat die Ausweisung des Naturschutzgebietes „Stegskopf, Derschener Geschwämm und Quellgebiet der Schwarzen Nister“ umfassend vorbereitet und am 17.07.2013 das Anhörverfahren eingeleitet.

„Die Träger öffentlicher Belange und Verbände haben nun die Möglichkeit, sich ausführlich zu äußern“, so SGD Nord Präsident Dr. Ulrich Kleemann. Den Adressaten wurde deshalb die vorgesehene Rechtsverordnung nebst Karte des Gebietes übersandt. „Jede einzelne Eingabe wird durch unsere Fachleute genau geprüft und die verschiedenen Belange werden sorgfältig abgewogen.“, so Kleemann.

Die militärische Nutzung auf dem Truppenübungsplatz Stegskopf bei Daaden wird in 2014 aufgegeben werden. Während der militärischen Nutzungszeit hat sich dieser Bereich zu einem Lebensraum für zahlreiche besonders gefährdete Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Das ist bereits über den aktuellen Status als FFH- und Vogelschutzgebiet dokumentiert. Außerdem handelt es sich um einen Landschaftsraum von besonderer Eigenart und landeskundlicher Bedeutung. Geschützt werden sollen rund 1300 Hektar des insgesamt 2000 Hektar großen Truppenübungsplatzes. Darin enthalten sind alle für den Naturschutz wertvollen Bereiche, die auch schon Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sind. Raum für Windkraft- und Gewerbeansiedlungen bliebe demnach in den Randgebieten, die zum Teil bereits baulich genutzt werden.

Die vorgesehene Rechtsverordnung nebst Karte können Sie hier runterladen.

Karte_Stegskopf_SGDNordDez2013