Pressemitteilung zur Generalversammlung 2021

Das Corona-Virus schlug auch auf die Generalversammlung der Maxwäll Energiegenossenschaft durch. Nur 40 Teilnehmer, weniger als 10 % der Energiegenossen, konnte der Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Hagemann in der Versammlung begrüßen. Dabei hatte Maxwäll eigens das luftige große Festzelt auf der Altenkirchener Glockenspitze angemietet, um einen „coronasicheren“ Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten.

Der guten Stimmung unter den erschienenen Anhängern der Erneuerbaren Energien konnte die geschrumpfte Teilnehmerzahl keinen Abbruch tun. Denn die Zahlen, die der Vorstand den Mitgliedern präsentierte, konnten sich sehen lassen. Das gute Sonnenjahr 2020 und ein engagierter Einsatz des Vorstands für eine dauerhafte Betriebsbereitschaft der regionalen Stromerzeugungsanlagen haben dazu beigetragen, dass der Bilanzgewinn erstmals auf über 150.000 € angestiegen ist. Das ermöglichte die Ausschüttung einer Dividende von 4,5 % an alle Energiegenossen.

Dabei waren sich die Energiegenossen ihrer sozialen Verantwortung für ihre Heimatregion bewusst. Der Antrag einer Teilnehmerin, die Mittel für die Förderung regionaler Projekte oder sozialer Hilfen kräftig zu erhöhen, fand eine breite Mehrheit. Während Maxwäll im Jahr 2020 5.000 € für die Förderung kultureller Initiativen ausgeschüttet hatte, die durch die Corona-Krise besonders stark betroffen worden waren, wurden in diesem Jahr 10.000 € für gleichartige Zwecke bereitgestellt.

Hintergrund für den nahezu einhelligen Wunsch nach einer Verdoppelung der Fördermittel war die Flutkatastrophe in unserem Bundesland und den angrenzenden Regionen. Nunmehr sollen Vorschläge von Seiten der Mitglieder gesammelt werden, die individuelle Hilfen und Milderung von Notlagen vor allem bei solchen Fällen ermöglichen sollen, die durch das Raster der staatlichen Hilfen durchfallen und denen es ohne solche Hilfen schwerfällt, wieder „auf die Beine“ zu kommen.

Die wichtigste Aufgabe der Versammlung war allerdings die Wahl eines neuen und vergrößerten Aufsichtsrats. Denn das bisherige Aufsichtsratsmitglied Manfred Müller hat seinen Lebensmittelpunkt nicht mehr im Westerwaldkreis, und Aufsichtsrat Ralf Kneisle, der schon vor 10 Jahren bei der Gründung von Maxwäll mitgewirkt hat, stand zum Bedauern seiner Kollegen aus persönlichen Gründen nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung. So blieben vom bisherigen Aufsichtsrat nur die Mitglieder Friedrich Hagemann und Holger Siems übrig, die von der Versammlung einstimmig wiedergewählt wurden.

Um eine hochkarätige Besetzung des Aufsichtsrats zu gewährleisten, waren im Vorfeld der Versammlung alle rund 450 Mitglieder um Bewerbungen und Vorschläge gebeten worden. Sehr zur Freude des Vorstands und des alten Aufsichtsrats war die Resonanz der Mitglieder auf die Anfrage überaus positiv, da sich herausstellte, dass eine große Anzahl der Mitglieder nicht nur über große Erfahrungen bei regenerativem Strom aus Sonne, Wind und Biomasse verfügt, sondern auch zu einem Engagement im Ehrenamt bereit ist. Neu in den Aufsichtsrat wurden bei insgesamt nur einer einzigen Gegenstimme die langjährigen Maxwäll-Mitglieder Jörg Lerner, Johannes Malmedie, Volker Schmitz und Berthold Wenz gewählt.

Die Aufgabe der „Neuen“ wird es sein, den Vorstand der Genossenschaft auf seinem Wachstumskurs zu begleiten. Denn mit jedem Jahr konnte das Unternehmen seine Umsätze, Gewinne und auch die Zahl der Mitglieder, die an den Projekten regionaler Erneuerbarer Energien teilhaben, steigern. Und der Vorstand konnte weiteres Wachstum in Aussicht stellen. Voraussichtlich im Oktober wird ein neuer Solarpark in Grünebach (VG Betzdorf) mit der Netzeinspeisung sauberen Stroms beginnen.  Zudem wird voraussichtlich im Frühjahr 2022 die dritte Stufe des Solarparks in Wissen ans Netz gehen. Damit wird im Kreis Altenkirchen weiterer Strom aus Erneuerbaren von jährlich ca. 1,4 Millionen Kilowattstunden erzeugt werden. Darüber hinaus befinden sich noch mehrere größere Projekte in der Planungsphase, bei denen gute Aussichten bestehen, dass die Altenkirchener Genossenschaft zum Zuge kommt. Dabei will Maxwäll auch neue Wege gehen, indem es ein rohstoffverarbeitendes Unternehmen im Westerwald unmittelbar mit der benötigten Energie beliefert, die auf einer Halde solar produziert wird.

Lobende Worte fand Vorstandsmitglied Gerd Stein für die Verbandsgemeinde Altenkirchen, die nach der Fusion mit Flammersfeld ihren Flächennutzungsplan neu aufstellt, um Flächen für die Nutzung von Solarstrom auszuweisen. Was sich allerdings als Hemmnis für ein schnelleres Wachstum erweist, ist die Dauer der kommunalen Planungsverfahren. „Wir haben nicht mehr viel Zeit für die Umsetzung der Energiewende, wenn wir die Klimaziele des Pariser Abkommens erreichen wollen“, machte Stein deutlich, „vier Jahre Planungszeit sind zu viel“. 

Auch wenn die Bundesregierung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts schnell reagiert hat und jetzt die Umstellung auf 100 % Regenerativstrom bereits im Jahr 2045 erreichen will, waren sich die Maxwäller einig: Der Kohleausstieg muss noch in diesem Jahrzehnt abgeschlossen werden und das 100%-Ziel muss fünf bis zehn Jahre schneller erreicht werden.

Übersicht Regionalförderung

  1. Grundlagen
  1. Die Präambel unserer Satzung sagt unter anderem:

Die Genossenschaft sieht sich als Teil einer Gesellschaft, die sich ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung bewusst ist. Dieses Bewusstsein soll durch konkretes Handeln zum Ausdruck gebracht werden. … Ein Anteil der Gewinne soll in die Initiierung und Begleitung von Regionalentwicklungsprojekten in der Region Westerwald investiert werden.“

  1. Zu der Frage, wer über die Regionalfördermittel entscheidet, sagt § 17 Abs. 6 unserer Satzung:

Der Aufsichtsrat bestimmt mindestens eine Person aus seinen Reihen, welche die Auswahl und Begleitung der Regionalentwicklungsprojekte betreut. Der Aufsichtsrat kann aus den Reihen der Genossenschaftsmitglieder einen Ausschuss berufen, der diese Aufgaben vorberatend übernimmt.“

Dieser Ausschuss tagt in der Regel einmal jährlich im September. Die Termine werden den Mitgliedern bekanntgegeben.

  1. Wie hoch sind die Regionalfördermittel?

Das fällt von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. Die Höhe ist bisher von Jahr zu Jahr angestiegen. Da die Regionalfördermittel als Teil des Jahresüberschusses bereitgestellt werden, ist die Generalversammlung zur Entscheidung über die Höhe der Mittel berufen.

Mit der Annahme der Fördermittel gehen die Empfänger die Verpflichtung ein, ihre Projekte den Mitgliedern von Maxwäll auf der Generalversammlung vorzustellen.

  1. Regionalförderung 2014

Aus dem Jahresüberschuss 2013 wurden im Geschäftsjahr 2014 erstmals 1.700 € für die Regionalförderung bereitgestellt. Gefördert wurden 2 Schulprojekte.

  1. Eine Klasse der Berufsbildenden Schule (BBS) Betzdorf hat in Kooperation mit der Universität Siegen eine Kleinwindanlage entwickelt, die auf dem Schulgelände, das in Betzdorf nahe dem Gipfel des Molzbergs gelegen ist, aufgestellt werden soll. Des Weiteren ist diese Klasse von Maschinenbauschülern mit der Entwicklung eines kleinen E-Mobils befasst. Dieses Fahrzeug soll mit dem Strom betrieben werden, den die Kleinwindanlage erzeugt. Das Projekt wurde mit 1.500 € gefördert.

  2. Die Fachklassen der Berufsbildeden Schule Montabaur für Bankkaufleute haben in Gruppen einen Wettbewerb zur Entwicklung umweltfreundlicher und finanziell interessanter Anlageprodukte ausgetragen. Eine Jury, bestehend aus Lehrern der BBS, Bankvorständen und einem Maxwäll-Aufsichtsratsmitglied, hat das beste Produkt gekürt. Die Schüler erhielten einen Preis, zu dem Maxwäll 200 € beigesteuert hat.

  1. Regionalförderung 2015

Aus dem Jahresüberschuss 2014 standen im Geschäftsjahr 2015 2.500 € für die Regionalförderung zur Verfügung. Da 2015 das Jahr der Flüchtlingskrise war, sprach der Ausschuss sich dafür aus, die Regionalfördermittel ausschließlich Projekten der Flüchtlingshilfe zuzuwenden. Mit je 500 € wurden gefördert:

  • der WIBeN-Hilfsfond für Flüchtlinge, der die Mittel überwiegend für die Zwecke der Gesundheitsvorsorge von Flüchtlingen (denen, solange sie nicht anerkannt sind, nicht bei jeder Erkrankung eine medizinische Versorgung zugebilligt wird) verwendet,

  • der Caritas in Wissen als Trägerin des „Café International“, welches auf ehrenamtlicher Basis Sprachunterricht für Flüchtlinge organisiert und vermittelt, für die Beschaffung von Lehr- und Unterrichtsmaterialien,

  • das Diakonische Werk in Montabaur als Trägerverein für den unentgeltlichen Sprachunterricht für Flüchtlinge,

  • eine Schülerinitiative der BBS Betzdorf, die eine Kleidersammlung für Flüchtlinge initiiert hat und Barmittel für die Integrationsarbeit (Beschaffung von Trikots und Turnschuhen) der Sportvereine benötigte,

  • den damals neu gegründeten Förderverein für die mehr als 1.500 Flüchtlinge in dem Lager Stegskopf als Aufnahmestelle für Asylbewerber (AfA).

  1. Regionalförderung 2016

Aus dem Jahresüberschuss 2015 standen im Geschäftsjahr 2015 3.000 € für die Regionalförderung zur Verfügung. Diese wurden überwiegend für ökologische Projekte bereitgestellt. Ferner wurde die Arbeit eines sehr aktiven und effizienten Vereins, der Kinderkrebshilfe Gieleroth, unterstützt:

  1. Mit 500 € wurde der Verein „Arge Nister“ unterstützt. Der Verein beabsichtigt die Mittel für die Fertigung von Zuchtkästen für die Flussperlmuschel zu verwenden. Der ökologische Zustand der Nister hat sich im letzten Jahrzehnt drastisch verschlechtert. Damit einher ging der Rückgang der Bestände der recht seltenen Flussperlmuschel. Da diese Muschel durch die Aufnahme von Schadstoffen (Nitrate und Phosphate) zur Gewässerreinigung beiträgt, ist die Wiederherstellung der Muschelbänke von großer Wichtigkeit.

  2. Weitere 500 € gingen an die Ortsgemeinde Astert, die über keine freien Mittel verfügt. Die Gemeinde wird von den Mitteln auf Wiesen in der Nähe der Nister Streuobstwiesen anlegen, die extensiv bewirtschaftet werden und zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen.

  3. Mit 1.000 € wurde die an der Gesamtschule in Rosbach (Windeck) neu gegründete Schülergenossenschaft Öko-E gefördert. Diese eingetragene Schülergenossenschaft verfolgt die Ziele, eine Streuobstwiese zu bewirtschaften und Apfelsaft zu produzieren, ökologischen Urlaub in der Region zu fördern, Grünstrom zu vertreiben und zur Energieeinsparung beizutragen.

  4. Eher aus dem üblichen Förderrahmen fällt die Prämierung der Kinderkrebshilfe Gieleroth. Hier ist die Bereitstellung der Fördermittel in Höhe von 1.000 € so etwas wie die Anerkennung des hervorragenden und unermüdlichen Einsatzes der Eheleute Fischer bei der Hilfe für schwer kranke Kinder, bei der Sterbebegleitung von Kindern und für den Einsatz bei der Abfederung sozialer Notlagen.

  1. Regionalförderung 2017

Alle Mitglieder können für Projekte, die ihnen bekannt sind, Vorschläge einreichen, da nach der Geschäftsentwicklung von Maxwäll in 2016 wieder mit der Bereitstellung von Fördermitteln gerechnet werden kann. Vorschläge per Email: fh@maxwaell-energie.de.

Es wurde bislang nur einer Initiative der Pestalozzi-Grundschule in Altenkirchen die Förderung für ein Zirkus-Projekt in Aussicht gestellt.